CHRISTIANISIERUNG - ein langer Kampf

Kurz nachdem sich die neu entstandene Religion des Christentums des zerfallenden Römischen Reiches "angenommen" hatte, begann eine der blutigsten und grausamsten Kapitel europäischer Geschichte. Den Völkern wurde der Alte Glauben mit Feuer und Schwert ausgetrieben. Leider liest man davon in heutigen Geschichtsbüchern - geschweige denn Schulbüchern - wenig oder gar nichts. Die katholische Kirche fand im fränkischen König Clovis, dem Vorgänger Karls des Großen, einen willigen militärischen Arm. Unter seiner Herrschaft wurden die Alemannen unterworfen und die christlich-arianische Ketzerei mit Stumpf und Stiel ausgerottet. Die Botschaft Jesu von Nächstenliebe, Vergebung und Gleichheit aller Menschen hatte sich ohne Schwierigkeiten in einen mörderischen Feldzug verwandelt. Am Weihnachtstag 800 wurde Karl der Große vom römischen Papst zum Kaiser gekrönt. Es war ein praktischer Deal, denn für die kaiserliche Einsetzung Karls wollte Rom einen regen Zustrom katholischer Schäfchen in Europa sehen. Weite Teile Europas einschließlich Friesland, Sachsen, Hessen und Thüringen waren noch vorrangig heidnischen Glaubens - von Britannien, Irland und Skandinavien ganz zu schweigen. Karl hatte sich schon vor seiner Krönung alle Mühe gegeben. Er war weder groß noch edel, sondern ein einfacher verbrecherischer Opportunist, wie ihn die Geschichte dutzendfach kennt. Auf Verweigerung der Taufe hatte er die Todesstrafe eingesetzt. 782 schlachtete er 4500 Gefangene bei Sachsenhain ab, die sich gegen die Zerstörung des nahegelegenen Tempelhains wehrten. Überhaupt kämpften die Sachsen erbittert gegen die christliche Unterdrückung. Karl ließ ihr Heiligstes, die Irminsul, ein altes Weltenbaum-Symbol, zerstören. Überall wurden Tempel geschleift, Haine abgeholzt, Kultplätze zerstört und geschändet. "Heilige" wie Bonifatius taten eifrig mit. Doch die Völker "übernahmen" nicht so einfach den neuen Glauben,wie es heute immer heißt. Sie wehrten sich mit aller Macht. 732 wurden im Gegenzug in fränkischen Gebieten 30 Kirchen zerstört. Doch der unerbittliche Feldzug unter dem Banner des Gottessohnes ging weiter. 785 wurden die Schreine auf der heiligen Insel Helgoland zerstört. Man versuchte die Externsteine, ein uraltes germanisches Heiligtum durch Feuer zu spalten. Das Relief, das man dort sehen kann, zeigt die gebeugte Irminsul. Trotzdem sprechen Historiker heute von einem "Ziersessel" und im Prospekt vor Ort ist von einem gebeugten Baum die Rede, obwohl das alte heilige Symbol unserer Vorfahren deutlich zu erkennen ist!
Im 9. Jh. schlug eine andere heidnische Kraft mit voller Wucht zurück - die Wikinger! Sie waren die ersten Heiden, die bewußt und vorsätzlich in großem Maßstab die christliche Religion angriffen, Kirchen und Klöster brandschatzten und Mönche und Nonnen töteten. Ihre Gemeinschaftsform, in der z.B. auch Frauen voll gleichberechtigt waren und nicht selten mitkämpften, stand in krassem Gegensatz zu den "verordneten" christlichen Tugenden. In den 860igern wurde der Ostteil Englands wieder erobert und heidnisch. Als Karl der Große 814 starb, plünderten Wikinger weite Teile Frankreichs, einschließlich Paris, Bordeaux, Toulouse, weiter Irland, Spanien, Nordafrika bis Alexandria ... Versuche, Norwegen zu christianisieren, scheiterten an den Wikingern. Erst 998 christianisierte der "heilige" Olaf Haraldson Stück für Stück Norwegen, in dem er alle Tempel niederbrannte und jeden tötete, der sich nicht taufen ließ. Damit das Christentum auch blieb, nahm er ständige Geiseln mit sich, die bei einem Rückfall ihrer Gemeinschaften ins Heidentum getötet wurden. 1000 nahm Island freiwillig das Christentum als Staatsreligion an, weil die Rechtsversammlung massiv bestochen wurde. 950 zwang der grausame Harald Gormsson Dänemark das Christentum auf; er wurde jedoch von seinem Sohn vertrieben, der den heidnischen Glauben wieder einsetzte. Trotz Zwangsbekehrungen widerstand Schweden sehr lange der Christianisierung. Selbst als 1100 der berühmte Tempel von Uppsala zerstört wurde, blieb der größte Teil der Schweden heidnisch. Als letztes germanisches Volk mußten schließlich auch die Schweden aufgeben, nachdem um 1120 Sigurd der Kreuzfahrer Småland im Exzeß der christlichen Nächstenliebe verwüstete. Trotzdem blieben heidnische Volksbräuche offen oder im Verborgenen bestehen.
Am längsten jedoch wehrten sich die baltischen Völker gegen den Zwang der neuen Religion.