Der deutsche Roland

Vor langen Jahren, zu Zeiten unserer Urahnen, pflegte man noch die Totenstätte der Verstorbenen, wie es heute kaum noch getan wird. Es waren Orte, an denen die Ahnenkraft der Toten auf jeden überströmte, der von gleichem Blute wie der Verstorbene war. Als Zeichen dieser Ahnenkraft, die als Erdkraft auf Menschen und Götter überging, ward stets ein Stamm als Sinnbild des lebenden Baumes aufgestellt. Er war Zeichen unzerstörbarer Lebenskraft. Bei Berührung dieser Stange war der Ahnherr mit seiner Kraft unter den Lebenden anwesend. Besagte Stange wurde zum obersten Schwurzeuge bei Gericht, und wurde als Bannerstange des Heeres in die Schlacht getragen.
In diesem Pfahl verband sich die Erdkraft mit der heiligen Kraft der siegreichen Sonne. Da die Sonne von jeher als Wahrer des Rechtes gesehen wurde, wurde der Ahnenpfahl zum Mittelpunkt der Gerichtsstätten und jeder schwor bei diesem seinen Eid.
Im Laufe vieler Jahre entwickelte sich aus dieser "leblosen" Holzstange eine geschnitzte menschliche Gestalt. Diese erinnerte durch die straff angelegten Arme zwar immer noch an einen Holzpfahl, jedoch hatte man durch feine Handarbeit ein Gesicht in den Pfahl geschnitten, welches klar zu erkennen war.
Diese Gestalt war zusätzlich mit einem Schwert ausgestattet, welches die Gerichtsbarkeit symbolisierte. Zuweilen trug die Gestalt auch noch einen Schild.
Seit dem Mittelalter wurde der Schwertträger dann "Roland" genannt.
Er ist das Sinnbild für die Gerechtigkeit auf Erden. Er verkörpert weiterhin das Ansinnen der Ahnen und überträgt die Kraft selbiger auf die Lebenden.