Der goldene Wagen

"Seine Klauen - durch die Wolken sind geschlagen, er steigt auf mit großer Kraft..." So beginnt ein "Tagelied" von Herrn Wolfram Eschenbach, einem der größten deutschen Dichtern. Hier wird der Aufstieg des Sonnenadlers am östlichen Himmel besungen. Auch Ludwig van Beethoven griff dieses Thema 600 Jahre später wieder auf: "Sie kommet und läutet und strahlt von ferne, und geht den Weg gleich als Held."
Gemeint ist der Sonnenheld, welcher aus seinem Zelte hervortritt um freudig seine neue Bahn zu laufen. Während der südliche Mensch dies auf den Ablauf eines Tages bezieht, bedeutet es für den Nordmenschen den Aufstieg der Sonne im Frühling, und damit den Jahreslauf. Dieses Jahreserlebnis ist dem nordischen Menschen heilig.
Der Tag an dem Tag und Nacht den Tageshimmel zu gleichen Teilen beherrschen, und das Licht diesen Kampf schließlich gewinnt, hat für die nordischen Menschen eine so große Bedeutung, das selbst die Christen nicht umhin kamen diesen Brauch für sich zu benutzen. Sie eigneten sich den Sinngehalt an, indem sie die Auferstehung des Herrn in eben jene Zeit der Auferstehung der Sonne legten.
Die heilige Zeit der Wiederauferstehung, die Osterzeit also, wird noch heute durch viele Feste die gebührende Huldigung entgegengebracht. So findet man zum Teil noch Bäcker die, nach alter Tradition, das altheilige Sinnbild des Jahresrades backen. Dieses Backwerk wurde aus einer Rechtkreuzform später zur bekannten Form der Brezel.
Das viergeteilte Rad, welches auch heute noch in einigen Gegenden die Berge hinuntergestoßen wird, ist ein Symbol der Jahresgleiche. Es verkünden brennend das neue Leben und das neue Licht.