Der heilige Herd

Den alten Mythen nach ist das Feuer zum Sinnbild des Auferstehens der Menschen geworden. Gleichzeitig unterscheidet das Feuer den Menschen vom Tier. In der Tierwelt gilt das Feuer als bedrohlich, in der Welt der Menschen jedoch ist es Garant für Leben und galt den alten Germanen als heilig. So loderte die heilige Flamme in den Wohnhäusern unserer nordischen Urahnen und ward allen die Quelle des Lichtes und der Wärme.
Weiterhin war es der Treffpunkt der Familien. Die Feuerstelle, welche sich am oberen Ende des Rechteckhauses befand, war der Ort, an dem die Kinder in wohliger Wärme großgezogen wurden. Aus den alten Überlieferungen können wir erfahren, daß der Herd der Mittelpunkt des Sippenlebens war. Dieser Ort war für die nordischen Menschen so bedeutsam, daß sie zuweilen sogar ihre Toten unter der Herdstelle begruben.
An diesem heiligen Herd fand man ebenfalls die Frauen wieder, welche wie eine Königin über dem Haus thronte.
Sie war die Hüterin des heiligen Herdes, und damit auch des ebenfalls heiligen Feuers. Daher erklärt sich auch der Brauch, die junge Frau, welche ihr neues Heim bezieht, dreimal den Herd umschreiten zu lassen, damit die Herrschaft des Hauses nun auf sie überginge. Das heilige Herdfeuer war aber gleichzeitig auch ein Abbild des großen Sonnenfeuers, welches man abgöttisch verehrte.
Zur Zeit der Wintersonnenwende wurde das Herdfeuer traditionell mit Wasser gelöscht, um es danach auf althergebrachte Weisee wieder zu entzünden. Mit dieser Herderneuerung, welche uns heute noch unter dem Begriff des "Notfeuers" bekannt ist, wurde gleichzeitig auch die Wiedergeburt der Sonne gefeiert.