Die Hunnenschlacht

Angantyr und Hlöd waren die Söhne des Gotenkönigs Heidrek. Angantyrs Mutter war eine Gotin, Hlöds Mutter eine hunnische Königstochter. Hlöd wuchs am hunnischen Königshofe auf und wurde mit Schwert und Brünne, mit Ross und Ringzier am Helm erzogen, wie es sich für einen Königssohn gehört. Als Heidrek unter den Felsen der Karpaten gefallen war, ließ Angantyr ihn in einem riesigen Grabmal beisetzen. Dann ergriff er Besitz vom Erbe des Vaters. Hlöd aber kam von Osten und sprach: " Ich will die Hälfte von Heidreks Erbe haben. Ich fordere alles Land von den Karpaten bis zum Dnjepr mit Heerburgen und Mühlen, mit Knechten und Mägden, mit Gold und Silber, mit Waffen und Schmuck, mit Korn und Vieh." "Ehe ich das Gotenland mit dir teile, sollen Speere krachen und Schilde bersten," antwortete Angantyr, "jedoch sollst du von der fahrenden Habe die Hälfte mithaben. Krieger und Rosse, Knechte und Mägde, Kühe und Kälber will ich dir geben. Ich will dich im Sitzen mit Silber bedecken und im Gehen mit Gold überschütten."

Schon wollte Hlöd sich mit dem Angebote des Bruders einverstanden erklären. Da sagte Gizur, der alte Ratgeber höhnisch: " Das ist wahrhaftig genug für den Sohn der Magd." Da antwortete Hlöd mit zornbebender Stimme: "Es geht mir nicht um schnöden Besitz, und hätte Gizur geschwiegen, wäre ich mit den Schätzen zufrieden gewesen. Nun er aber meine Mutter beschimpft hat, die eine Königstochter war gleich Angantyrs Mutter, und weil er mir die Ehre der Gleichberechtigung versagt hat, muss das Schwert zwischen uns entscheiden."

Hlöds Großvater, der Hunnenkönig Humli, rüstete dem Enkel ein großes Heer, und als der Frühling kam, überfielen die Hunnen die gotische Grenzmark, in der Angantyrs Schwester Herwör die Wacht hielt. Die Hunnen zerstörten ihre stolze Burg, sie selbst fiel im Kampf. Ihr Gefolgschaftsältester Ormar brachte Angantyr die traurige Botschaft und sprach: " In Trümmern liegen die Burgen, verbrannt sind die Wälder, überströmt ist das Land vom Blute der Goten, deine herrliche Schwester ist tot.. Schneller eilte sie stets zum Kampf als zum Gespräch mit dem Freier, als in die halle zum Feste."

Angantyr schaute um sich, um zu sehen wer von seinen Getreuen aufstände, um den Tod seiner Schwester zu rächen. Aber die Besten waren gefallen. Die übrig waren, fürchteten sich und wollten nicht gegen die Hunnen kämpfen. Einsam und verlassen saß Angantyr in der halle. " Gar manche waren wir, als wir beim Met saßen. Nun aber viele Not tun, finden sich wenige. Ob ich auch bitte und Gold und Silber biete, ich sehe keinen, der zum Speere und zum Schilde greift., um gegen die Hunnen zu reiten," klagte er. Da stand Gizur, der Alte, um dessentwillen Angantyr in diese Lage hineingekommen war, auf und sprach:" Nicht eine Münze will ich haben, und doch will ich traben mit Speer und Schild und den Hunnen den Kampf ansagen." "Entbiete sie zur Schlacht auf die Donauheide", sagte Angantyr.

Angantyr und Hlöd trafen sich in der Schlacht. Angantyr forderte Hlöd zum Zweikampf heraus. Da freute sich Hlöd, denn er sah darin das Zeichen, dass Angantyr ihn als ebenbürtig anerkenne. Hlöd kämpfte heldenhaft, so dass Angantyr dachte: "Er ist wahrhaftig ein echter Sprössling meines Vaters." Schließlich fiel Hlöd von des Bruders Hand. Die Goten trugen einen großen Sieg über die Hunnen davon.

Als die Dunkelheit hereinbrach, da stand Angantyr, der Sieger, trauernd über der Leiche seines Bruders. "Weh, das es so kommen musste, mein Bruder," klagte er. "Aber wir konnten nicht anders, du durftest deine Ehre nicht preisgeben, ich nicht meinen Gefolgsmann Gizur. Die Nornen haben die Schuld. Sie haben uns das Unheil bereitet. Du hast in Kampf und Tod deine Ehre bewiesen, und ich muss nun ewig um dich trauern."