Die heilige Fahne

Durch die heiligen Fahne des Kriegers lebten für den alten Germanen immer auch seine Vorfahren weiter. Sie war ihm stets ein treuer Begleiter, wenn es auf die großen Schlachtfelder der Welt hinausging. Sie war ihm Mahnung und Erinnerung an die Vorfahren zugleich. Von ihr übertrug sich die Kraft der Toten auf die Lebendigen, welche das Vorhaben der Ahnen zuende führen sollten.
Mit diesem Wissen um die Vereinigung von Totem und Lebendigem zog der Krieger in die Schlacht, seine Ahnen zu rächen. Dieses oft blutgetränkte Stück Stoff, war kein lebloses Symbol für den Krieg. Mit dem Blute der Verstorbenen würde die Brücke von der mütterlichen Erde zur Welt des lichten Himmels geschlagen. Dieses mit göttlich Kraft ausgestattete Ehrenzeichen, sollte dem Krieger ständiger Begleiter und Heilsbringer im Schlachtgetümmel sein. Die heilige Fahne verkörperte den Sieg schlechthin, und war deshalb das heiligste was es im Kampfe zu verteidigen galt.
Bis tief in das Mittelalter hinein wurde, an der vorher verabredeten Stelle, die Bannerstange aufgestellt, welche nach Osten hin zur aufgehenden Sonne gerichtet war, um den Platz des Kampfes zu kennzeichnen. Hierbei verbanden sich die heilige Kraft der Sonne mit der des Bodens in der sie steckte.
Dieses Feldzeichen nannte man "Standhart", woraus sich der uns heute geläufige Begriff der Standarte ableitet.
Als die größte Ehre galt es dem Krieger die heilige Fahne in die Schlacht zu führen, was ihre große Bedeutung untermauert.
Die blutgetränkte Fahne ist ein heiliges Symbol, da sie ein mythischer Sammelpunkt der lebendigen und toten Krieger ist.
Daher erklärt sich der Ausspruch "Die Fahne ist mehr als der Tod" fast von selbst.