Draugr - Lebende Tote

Draugr (Draug, Plural: „Draugar“) ist ein lebender Toter, der nach der Bestattung in seinem Grabhügel lebte, beziehungsweise diesen auch verlassen konnte. Die Überlieferungen sind sich darin einig, dass es sich um den Körper des Verstorbenen handelt. Ob er aber auch seine Persönlichkeit oder Seele aufweist, wird unterschiedlich beantwortet. Das Aussehen der Draugar richtet sich nach der Art ihres Todes. Ertrunkene erscheinen triefend nass und aufgeschwemmt; im Kampf Gefallene blutverschmiert mit klaffenden Wunden, etc.

Draugar wurden übermenschliche Körperkräfte zugeschrieben. Teilweise galten sie als unverwundbar durch normale Waffen. Um einen Draugr zu vernichten, musste sein Kopf abgeschlagen und zum Gesäß des Körpers gelegt werden. Anschließend musste der Körper mitsamt dem Kopf verbrannt werden.

Draugar werden im Allgemeinen als Wächter der Schätze eines Grabhügels beschrieben. Daneben gibt es aber auch Erzählungen von solchen, die ihren Hügel verlassen haben, um die Umgebung zu terrorisieren. Die empfundene Bedrohung, die von solchen lebenden Toten ausging, muss im mittelalterlichen Skandinavien und Island groß gewesen sein. Darauf deuten zahlreiche Runeninschriften mit Abwehrzaubern auf Amuletten hin. Auch wurden Inschriften auf Grabplatten gefunden, die dem Toten befahlen, in seinem Grab zu bleiben. Die Inschrift war dabei dem Toten zugewandt. Auch die Häufigkeit, mit der das Thema vor allem in isländischen Sagas aufgegriffen wurde, bezeugt seine Bedeutung.

Neben der übermenschlichen Kraft wurden den Untoten weitere nichtmenschliche, magische Fähigkeiten zugesprochen. So waren sie der Sage nach fähig, die Zukunft vorherzusagen. Wer den richtigen Zauber kannte, konnte sie sich in dieser Hinsicht dienstbar machen. Die Verwandlung in verschiedene Tiere wird häufig in den Sagas erwähnt. Auch konnte sich ein Draugr ungehindert durch Erdwerk und Fels bewegen – eine Voraussetzung, um den Grabhügel zu verlassen.