Ehre den Göttern und Göttinnen - Lyrik

Ich suchte den Gott, der wirkt und schafft,
der alles belebt durch der Sonne Kraft!
Ich suchte die Göttin, Mutter der Welt,
die Leben und Sterben in Händen hält,
die Herrin des Mondes, des Waldes, der Flur,
ich suchte sie in der großen Natur!
Hörte das Rauschen der Blätter im Wind,
sah, wie die Tiere des Waldes sind,
ich roch den Duft von Weißdorn und Linden,
fühlte die Kraft, die brach aus den Rinden!
Aus dem Ruf des Falken,
dem Knarren der Äste,
dem Zirpen der Grillen,
den Gesichtern an Bäumen,
den gestalten an Felsen,
den Wesen im Schatten
von Zwergen und Elfen,
aus all diesen herrlichen Dingen
hört' ich Ostaras Botschaft klingen:
"Sieh, Tier und Gras und Baum und Stein
lehren dich Liebe – Liebe zum Sein!"

Ich lernte zu schätzen Pilze und Beeren,
Kräuter zum Heilen als heilig zu ehren,
lernte sprechen mit Stein, Blume und Baum,
zu beachten Zeichen, Omen und Traum!
Lernte auch Runen, geformt aus Zweigen,
und solche, die bestimmten Wesen zu eigen,
begann zu vertrauen den Asen und Wanen
und lernte zu achten die Reihe der Ahnen.
Plagten mich Krankheit, Problem oder Fragen,
der großen Natur konnt' ich alles klagen.
Von Eiche und esche,
von Eibe und Buche,
von Ahorn und Schlehe,
von Tanne und hasel,
von Elfen und Zwergen,
von Kraftstein und Dolmen,
von Kiesel und Quelle
ward Antwort mir und Trost und Schutz,
habe oftmals diese Hilf' genutzt,
denn Tier und Baum und Gras und Stein
schenkten mir Liebe – Liebe zim Sein!

Doch einmal ging ich in den Wald,
fand prächtige Pappeln, mächtig und alt!
Da erwartete ich deren Kraft zu spüren,
doch an den Bäumen tat sich nichts rühren!
Enttäuscht ich auf die Pappeln sah,
ich schloß die Augen – doch nichts geschah!
Da hört' ich das Erdmutter-Lied in mir klingen,
begann es leise und dann laut zu singen,
ich weiß nicht, wie oft ich's wiederolte,
doch so ich den Göttern Ehre zollte!
Niemals vergiß, die Götter zu ehren,
der Natur und ihnen sollst du gewähren
Bitte und Dank,
Lob und Preis,
Achtung und Schutz,
Hege und Pflegem
Gebet und Opfer,
Sorge und Liebe,
vor allem Liebe!
Dann fühlst du die Göttin, den Gott, die Kraft,
die in den Welten das Seiende schafft!
Denn Tier und Baum und Gras und Stein
brauchen Liebe – unsere Liebe zum Sein!