Elemente - nach ARISTOTELES

Jenseits der schulwissenschaftlichen Einteilung aller Materie in etwas mehr als 110 Grundstoffe, die, anders als Verbindungen, nicht weiter zerlegbar sind, meint die Elementenlehre die Zusammensetzung des stofflichen aus einander ergänzenden Grundprinzipien.

Im Abendland sind diese vier Elemente nach ARISTOTELES Feuer, Erde, Luft und Wasser. Gelegentlich werden noch Holz (China), Metalle oder, als fünftes Element, der Äther (Quintessenz) hinzugezählt, im Manichäismus der Wind.

Aus diesen Elementen setzt sich alles stoffliche zusammen, unabhängig ob organische (belebt) oder anorganische (unbelebt) Natur.

Für ARISTOTELES wurde die Ausprägung der aus diesen Elementen gebildeten Stoffe durch Ausdünstungen bestimmt (konstituiert). Konstituent der Mineralien sei der „erdige Rauch”, kleine Erdpartikel, die im Begriff seien, Feuer zu werden. Die Metalle bestimme dagegen die Ausdünstung „wässrigen Dunstes”. Weiterentwickelt wurde diese Lehre durch die Annahme, die Ausdünstungen seien ein „idealer Schwefel” oder ein „ideales Quecksilber”, deren Mischungsverhältnis die Gestalt der vielen Stoffe bestimmt (Coudert (1980), S. 20f.).

PARACELSUS (1493 bis 1541) erweiterte diese Theorie, nach ihm setzten sich alle Stoffe aus drei Elementen zusammen, sal (Salz, Prinzip der Körperlichkeit), sulphur (Schwefel, die Energie anima der Natur) und mercurius (Quecksilber, der Geist spiritus).

Die vier Elemente sind je zur Hälfte dem weiblichen (Wasser und Erde) und dem männlichen (Feuer und Luft) Prinzip zugeordnet. Die Vermengung des Wassers mit dem Feuer erzeugt das warme, rote Blut, also das Leben. Himmel und Erde sind Gottheiten, die einen Sohn erzeugen, der sie trennt und Schöpfergott wird.

In die Einheit der aufgespaltenen Welt zurückzukehren ist Verheißung von Religionen, die nach dem Tod eine Einkehr in die eine Gottheit verheißen. So gibt es grundsätzlich vier Arten der Bestattung, die den Elementen entsprechen. Die See- oder Flußbestattung, wo das Wasser den Verblichenen zurücknimmt, die Feuerbestattung, bei der die irdische Hülle verbrannt wird, die Grablegung unter die Erde, sowie die in Europa heute unübliche, in Tibet aber lebendige Tradition der Bestattung durch aasfressende Vögel, die den Körper in die Lüfte hinauf tragen.

Die Idee von den Elementen ist sehr alt, schon die sumerische Schrift hatte für sie Zeichen. Der griechische Philosoph Empedokles verfaßte eine Lehre von den vier Elementen Feuer, Luft, Wasser, Erde, die in allen Veränderungen konstant blieben. Diese Lehre erweiterte ARISTOTELES, der als fünftes Element den Äther hinzufügte. Darauf konnte die Transmutionslehre der mittelalterlichen Alchemie aufbauen.
Im Neuen Testament wendet sich Paulus gegen als Elementargeister verehrte Elemente (Kolosser 2,8 und Galater 4,3). Im Mittelalter kategorisierten Dämonologen ganze Geisterheere nach den Eigenschaften der Elemente.

Die Stoiker (griech. stoicheia „die Elemente”) entwickelten ein ganzes System solcher Entsprechungen, indem sie Gottheiten, Farben und Tierkreiszeichen den Elementen zuordneten.

Im Zentrum der vier Elemente wird eine schöpferische Kraft gedacht, die je nach Tradition unpersönliche Macht oder Gottheit ist, sei sie Ruach (bibl.), Chi, Prani oder Ki genannt.

Die Elemente sind in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen. „Er ist in ganz seinem Element” charakterisiert die Harmonie eines Menschen mit seiner Aufgabe, „sie sind wie Feuer und Wasser” bezeichnet zwei Personen, die nicht zueinander finden.