Geister - Wesen

Geister (Gespennster) sind übernatürliche Wesen niederen Ranges, auch die umherirrenden Seelen der Verstorbenen. Anders als Göttinnen und Götter verfügen sie nur über begrenzte Macht. Dem Menschen gegenüber sind sie neutral, gut oder böse gesinnt. Sie erscheinen nichtkörperlich, in Menschen-, Tier- oder Mischgestalt.

Zu unterscheiden sind nach Herkunft, Funktion oder Aufenthaltsort, beispielsweise Engel, Toten-, Ahnen-, Schutz-, Haus-, Flaschen-, Natur-, (Wald, Busch, Korn) und Elementargeister (Wasser, Feuer, Erde, Luft).

Es heißt, Geister müßten sich immer an einer bestimmten Stelle aufhalten und zwar gewöhnlich da, wo sie ein größeres Verbrechen begangen haben (KUHN u. SCHWARTZ, 1983, A. 137).

Die Macht der Geister soll, anders als die der Götter, durch menschliche Beschwörung (s. Wortmagie) gebannt werden können.
Der Bann soll denen gelingen, die an einem Sonntag nachts zwischen elf und zwölf Uhr geboren sind (KUHN u. SCHWARTZ, 1983, A. 137).

Zum als Allsinn bezeichneten Empfinden der Geister schrieb der Renaissance-Gelehrte Agrippina von Nettesheim: „Doch empfinden die Geister nicht auf dieselbe Weise wie wir mit unseren besonderen Organen, sondern sie fassen wohl - wie Schwämme das Wasser - mit dem ganzen Körper alles Wahrnehmbare auf oder auf eine andere uns unbekannte Art.” (De Occulta Philosophia, n. SCHRÖDTER, 1967, S. 128)

Manchmal erscheinen die Geister der Verstorbenen zum Nutzen der Nachwelt. Der längst verstorbene Pyrrhus erschien 279 v. Chr. in Delphi, wo er begraben war, um vor den herannahenden Galliern zu warnen. Bei der Schlacht von Marathon erschien der Geist des Theseus und half den Athenern gegen die Perser.