Germanen - und ihre Kultur

Germane kann man nicht eindeutig übersetzen, aber man vermutet dass es "Speerwerfer" oder "Speerkämpfer" heißt, da das "Ger" für den germanischen Speer steht.

Die Wurzeln germanischer Kultur reichen bis in die Steinzeit, die eigentliche germanische Kunst wird der Bronzezeit zugerechnet.

Der Asen-Vanen-Krieg, eine Auseinandersetzung der in der nordischen Edda vorherrschenden Göttergeschlechter, wird dahingehend gedeutet, daß er geschichtliche Vorgänge aus ältester Zeit beschreibe. Vor 5000 Jahren trafen demnach wandernde Schnurkeramiker und Streitaxtleute in Nord- und Ostseeraum aufeinder. Die folgenden Kämpfe und ein Ineinanderaufgehen der Völker nach Friedensschluß seien in den oben beschriebenen Mythen beschrieben und so sei die Herkunft der Germanen zu erklären.

Siedlungen sind aus ältester Zeit nur ganz vereinzelt bekannt. Erst seit der Klimaänderung gegen Ende der Bronzezeit siedelten sie in Einzelhöfen oder kleineren Dörfern. Das Haus der Bronzezeit war offenbar von leichter Bauweise. Erst das rauhere Kima der Eisenzeit zwang zu massiveren Bauten.
Die Häuser waren viereckig, die Wände aus Holz oder Grassoden. Das Dach war ein Giebeldach. Der Stall befand sich oft im gleichen Haus. Die Siedlungsdichte der Germanen war ungleichmäßig. Schon früher Zeit wurde zu Siedlungszwecken Wald gerodet.

Die germanische Tracht war aus wollenen und leinenen Geweben und Pelzen gefertigt. Der Mann trug Hose, Kittel und ein viereckiges Manteltuch, die Frauen Rock, Bluse und Mantel. An den Füssen trugen die Germanen Schnürschuhe, ähnlich Sandalen. Auf hoher Stufe stand die Webkunst. Schon früh wurden Tuche gefärbt.
Als Haartracht ist für einzelne Stämme der Swebenknoten erwähnt. Die Frauen trugen das Haar gescheitelt. Einzelheiten der Tracht sind durch Moorfunde und antike Darstellungen überliefert.

Wirtschaftlich überwog die Landwirtschaft. Im Ackerbau wurde der Hakenpflug benutzt, seit etwa Christi Geburt auch der schwere Räderpflug. Angebaupflanzen waren Weizen und Gerste, später auch Hafer und Roggen, daneben Hirse, Flachs und verschiedene Gemüse. Auch der Apfel war bekannt. Von den Römern lernten die Germanen auch den Wein- und Obstbau kennen.
älteste bekannte Flureinteilung der Eisenzeit zeigte viereckige, durch breite Hochraine voneinander getrennte Felder, die anscheinend in Privateigentum waren. Später ging man zu langen Ackerstreifen über (Langstreifenflure). Die Gewannflur mit Feldgemeinschaft und Flurzwang entstand erst im frühen Mittelalter. Stämme auf kriegerischer Wanderung betrieben nach Cäsar und Tacitus den Ackerbau gemeinwirtschaftlich mit Gemein- und Sippeneigentum an Grund und Boden.
Neben dem Ackerbau war die Viehzucht von Bedeutung. Nach Aussage antiker Autoren überwog sie sogar gegenüber dem Ackerbau. Alle heutigen Haustierarten waren am Ende der Steinzeit bekannt.
Das Schmiedehandwerk, die Erzgewinnung und die Goldschmiedekunst wurden von berufsmäßigen Handwerkern ausgeübt, zahlreiche andere Gewerbe wurden bis ins Mittelalter hinein als Hausgewerbe betrieben.

Handel und Verkehr gab es schon in früher Zeit. Die Verbindungen ins Mittelmeergebiet waren besonders lebhaft zu Beginn der Bronzezeit, gegen Ende dieser Epoche und in der Zeit des römischen Weltreiches. Der Handel vermittelte nicht nur materielle Güter (Bernstein, Rohstoffe von Nord nach Süd und umgekehrt, sondern auch geistige und künstlerische Anregungen.

Die Schiffahrt hatte bei den Germanen schon frühzeitig hohen Stand. Die Schiffe der Bronzezeit müssen recht groß gewesen sein, man kennt sie leider nur aus Abbildungen. In der Eisenzeit entwickelten sich dann die auch heute noch benutzten Schiffstypen. Einen ersten Höhepunkt des Schiffbaus kennzeichnet das Nydamboot (4. Jahrh. n.Chr.). Von hier führt die Entwicklung zur Hochseefahrt der Normannen. Zahlreiche Ausdrücke der Seemannssprache gehen auf die frühe germanische Zeit zurück.

Die älteste erkennbare Gesellschaftsform kennzeichnet das gleichberechtigte Nebeneinander von Persönlichkeiten und Sippen. In der jüngeren Bronzezeit trat mit der Herausbildung eines Königtums stärkere Schichtung ein. Tacitus kennt drei Stände: Freie, Halbfreie und Sklaven, von denen die letzteren als Sache behandelt wurden. Der Halbfreie war persönlich frei, aber an seine Scholle gebunden. Die Freien bildeten die Masse der Bevölkerung, aus ihnen hob sich ein Adel heraus, der erst später rechtliche Sonderstellung gewann.
Die Stammesgebiete waren in der Regel durch breite ödlandstreifen oder große Wälder von den Nachbarstämmen getrennt. Die höchste Gewalt übte die Landgemeinde aus. Hier wurde über Krieg und Frieden beraten, die Volksbeamten gewählt und die Jungmannschaft wehrhaft gemacht. Während einzelne Stämme (beispielsweise die Sachsen) eine rein demokratische Verfassung hatten, wurden andere von Königen regiert, die bestimmten Sippen entstammten, in ihren Entscheidungen aber an die Landgemeinde gebunden waren. Der König hatte sakrale, kriegerische und richterliche Aufgaben. In königslosen Stämmen wurde zu Kriegszeiten ein Herzog gewählt.

Das germanische Heer war nach Sippen geordnet. Jeder Freie war zum Kriegsdienst verpflichtet. In Keilform stellte man sich zur Schlacht. Hauptwaffen waren Lanze, Axt und Schwert, dazu als Distanzwaffe Pfeil und Bogen. Die Reiterei war von erheblicher Wendigkeit. Eher selten waren hingegen Helm und Panzer.