Germanische Religion

Literarische Quellen über den germanischen Glauben beginnen mit dem Römer Tacitus. Der setzt die Hauptgötter römischen Gottheiten gleich, so Wodan (Odin) dem Merkur, Tyr (Ziu) dem Mars, Donar (Thor) dem Jupiter, Frija (Frigg) der Venus. Weitere Gestalten der germanischen Götterwelt sind Freyja, Freyr, Baldr, Loki und Hödr.

Die Götter der nordischen Edda sind erhöhte Wesen von menschlicher Gestalt, deren Überlegenheit auf Zauberkräften beruht. So nahm die Zauberei einen wichtigen Platz im germanischen Leben ein, wozu auch die Befragung der Runen gehörte.

Einen eigentlichen Priesterstand kannten die Germanen nicht. Der oberste Verwaltungsbeamte hatte priesterliche Aufgaben. Nach Tacitus hielten die Germanen ihre Gottesdienste nur im Freien, in Hainen, ab. Im Laufe der Zeit begannen sie auch mit dem Tempelbau und der Verehrung von Götterbildern. Die nächtliche Seite der Wotansreligion spiegelt sich in dem Glauben an die Wilde Jagd.

Neben dem eigentlichen religiösen Glauben bildete sich allmählich eine Lehre von den Mächten und Geschehnissen einer höheren Welt heraus. Es waren vorzugsweise die Isländer, die sich um dieses heidnisch-nordische Weltbild bemühten; bei ihnen konnte sich die Religion noch ein Jahrhundert länger als andernorts halten. Nach ihrer Überlieferung ist die Welt von gütigen Göttern, Asen und Vanen, aus den Gliedern eines Urwesens, dem Riesen Ymir, geschaffen und eingerichtet. Welt und Menschheit werden einst in den Ragnarökr zu Grunde gehen. Quelle dieses Weltbildes ist vor allem die Edda.

Die Mythologien der Völker Skandinaviens unterscheiden sich in manchem von dem, was aus dem mitteleuropäischen Germanien überliefert ist. So fehlen die Gottheiten Loki, Hoenir und Heimdall dem Süden völlig. Andererseits kennt der Norden nicht die im Raum des heutigen Deutschland verehrten Eru, Phol, Saxnot, Beovulf, Zisa oder Sindgund. Auch Gottheiten des Mittelmeeraums wie die Isis oder die Diana waren den regen Austausch mit der hellenistischen Welt pflegenden Germanen Mitteleuropas bekannt.

Angesichts der Weite des Raumes und des Zeitraums nehmen einander scheinbar widersprechende Angaben nicht Wunder. Vermischungen mit Nachbarvölkern tun ein übriges, keine einheitliche Germanische Religion vorzufinden. Keltische oder römische Einflüsse im Westen und Süden, Berührungen mit Balten oder Slawen im Norden und Osten sowie frühe Expeditionen germanischer Völker bis nach Kleinasien brachten Impulse in den Kult ein.