Ginnungagap - Gähnende Leere

Ginnungagap (Ginnungagapr, nord. „der mit Kräften erfüllte Raum”, „gähnender Abgrund”) war ein leerer Raum oder auch gigantischer Spalte. Ginnungagap bildete einen riesigen Abgrund, der so tief war, dass man nicht bis zum Grund schauen konnte. In der Urzeit, noch vor der Schöpfung lag Ginnungagap zwischen dem südlichen Muspelheim (Welt des Feuers) und dem nördlichen Niflheim (Welt des Eises).

Urzeit war es,
da Ymir hauste:
nicht war Sand noch See
noch Salzwogen,
nicht Erde unten,
noch oben Himmel,
Gähnung grundlos,
doch Gras nirgend.
Edda, Voluspa 3, hier zit. n. F. Genzmer

In dieser Schlucht wurden die vom Norden eindringenden Eisströme durch die vom Süden kommende Glut, die von Surtr geschleudert kam, zum Schmelzen gebracht.
Im Schmelzen entstand der Riese Ymir und die Urkuh Audhumbla.

Die Götter Odin, Vil und Ve warfen den toten Riesen Ymir in Ginnungagap, um die Welt, den Himmel usw. zu schaffen. (Mehr unter Schöpfung)

Manchmal wird die Spalte Ginnungagap auch mit der Welt des Eises Niflheim gleichgestellt. Denn es wurde auch oft berichtet, dass die Wände der Spalte aus purem Eis waren und alles was dort hineinfiel sofort zu Eis wurde.

Vergleichbar sind das griechische Chaos und das jüdische Tohu wabohu.