Hagen - Gunthers Gefolgsmann und Ratgeber

Hagen (Hagen von Tronje, nach dem elsässischen Ort Tronia, später Kirchheim, die Deutung ist unsicher) Im Nibelungenlied ist dieser Sohn Aldrians ein Vasall Gunthers, König der Burgunder, und dessen treuer Gefolgsmann und Ratgeber. Er ist der Onkel des Helden Ortwein, ein Bruder ist Dankwart. Sohn des Hagen ist Nifel.
Über Hagens Zeugung wird auch berichtet, daß seiner Mutter, der Frau Adrians und Tochter König Irians (Yrian, der reiche), als sie trunken war, ein Alb erschien, der ihr in ihrem Grasgarten beigewohnt habe (Thidrekssaga, Mb 169). Somit wäre Hagen halb Mensch, halb Albe und damit seine recht dämonische Zeichnung erklärt.

Weil Hagen somit keinem gültigen Verhältnis entsprossen war, wurde nicht er, sondern sein jüngerer (Halb-)Bruder Gunther König, der wohl einer zweiten Ehe Aldrians entstammte. Hier wird auch eine höfische Intrige kolportiert: Der „Albe” war kein übernatürliches Wesen, sondern ein normaler Mensch, wohl aber vornehmer und fremder Herkunft, der den Suff der Königin ausnutzte. Zeuge des Fehltritts war ihre Magd, die das Geheimnis dem Didrik steckte, der es später König Aldrian mittelte, der daraufhin eine andere Frau nahm und mit ihr Gunther, Gernholt und Gislher zeugte (Ritter-Schaumburg 1992, S. 110f.).

Beschrieben wird Hagen als schwarzhaarig, mit buschigen Brauen und großer Nase, sein eines Auge war schwarz. Insgesamt bot er einen grimmigen Anblick, doch durchaus edel, wie Gunther führte er einen (ungekrönten) Adler in seinem Schild, das silbern war und so Hagens königliche Abkunft erkennen ließ.

Für seine Königin Brünhilde ermordete er den Siegfried, indem er ihm seinen Speer zwischen die Schultern rammt (Nibelungenlied, 16. Abenteuer).
Die Meucheltat trägt ihn den Haß Krimhilds ein, was weiter gesteigert wird, als Hagen ihr auch noch den Hort Nibelungs raubt und im Rhein versenkt (Nibelungenlied, 19. Abenteuer).

Im zweiten Teil des Nibelungenliedes ist er der Gegenspieler von Siegfrieds Gattin Kriemhild.

Bereits zu Beginn der Reise der an den Hof Etzels prophezeien ihm zwei Wasserfrauen, daß alle Helden sterben werden, nur ein Pfaffe kehre lebendig nach Worms zurück. Zur Probe wirft er den Kaplan in den Rhein. Als der Nichtschwimmer wider erwarten das Ufer erreicht weiß er, daß ihr Schicksal besiegelt war (Nibelungenlied, 25. Abenteuer).

Am Ende fällt er durch die Hand Kriemhilds (Nibelungenlied, 39. Abenteuer).

Die Thidrekssaga berichtet, Hagen habe in der letzten Nacht seines Lebens noch einen Sohn gezeugt. Dieser, er hieß Aldrian, wuchs am Hof Attalas auf, der ihn wie seinen eigen Sohn behandelte. Im Herzen trug Aldrian, dem die Vorgeschichte erzählt worden war, den Wunsch nach Rache. Er lockte Attala in eine Höhle, in der Sigfrids Hort verborgen sein sollte und sperrte seinen Ziehvater darin ein, daß er verschmachtete.


In der nordischen Überlieferung der Sage ist Högni (Hagen) ein Bruder Gunnars (Gunther) und Gudruns (Kriemhild). Anders als im Nibelungenlied wird er nicht zum Mörder Sigurds (Siegfrieds).
Vielmehr wird Högni selbst zum Opfer des habgierigen Atli (Attila), der ihn grausam tötet. Sein Sohn Hniflung (Nifel) rächt die Bluttat (Edda, Das grönländische Atlilied 87f.).

Siehe hier das ganze Nibelungenlied