Nehalennia - Schutzgöttin

Nehalennia (Nirdu, nord. „Schutz?") ist die niedergermanische Schutzpatronin der Kauf- und Fahrensleute und der Fluß- und Seefahrer wurde von diesen zwischen Britannien und dem Niederrhein verehrt, bzw an der holländischen Küste. In Köln finden sich die südlichsten Spuren dieses Kultes anhand zweier Inschriften, die später beim Bau des Deutzer Kastells als Bauglieder dienten. In Darstellungen - aus Köln sind von ihr keine eindeutigen bekannt - wird die Göttin gekleidet in einheimische Frauengewänder zumeist auf einem Thronsessel sitzend mit Früchten oder einem Früchtekorb gezeigt. Oft sitzt neben dem Thron ein kleiner Hund.

Sie hatte auf der Insel Walchern an der Mündung der Schelde einen heiligen Hain, in dessen Mitte sich in späterer Römerzeit ihr Tempel erhob. Darin waren ihr zahlreiche Votivsteine aufgerichtet, nicht nur von Germanen, sondern auch von Römern, denn diese entlehnten ihren Cultus von jenen.

Sie wird auf denselben entweder stehend dargestellt, einen Hund mit zu ihr erhobenem Kopfe zur Seite, den einen Fuss auf den Vorderteil eines Schiffes gestützt; oder sitzend, den Hund zur Seite und ein Körbchen mit Früchten auf dem Schoosse haltend, oft steht ein zweites Körbchen neben ihr. Den obern Teil der Altäre schmücken Gewinde von Früchten oder Hörner des Ueberflusses, die wir oft auch auf dessen Seiten antreffen.

Sie ist demnach mit der Nirdu verwandt, und wohl dieselbe mit Folla, der Göttin der Fülle, und einer Göttin, welche nach dem Berichte des Tacitus unter dem Symbol eines Schiffes verehrt wurde, die er Isis nennt.

Noch im zwölften Jahrhundert finden wir den Gebrauch, dass ein mit göttlichen Ehren empfangenes Schiff die Niederlande durchzog. Wo es einkehrte, war Freudengeschrei und Jubel, man tanzte bis in die späte Nacht um dasselbe herum, und sang festliche Lieder. Keiner aber durfte dem Schiffe nahen, ohne dass dessen Hüter es erlaubten und dies geschah nur gegen reiche Gaben. Lange nachher, im sechzehnten Jahrhundert, dauerte ein ähnlicher Umzug mit Schiffen und Pflügen in Schwaben fort. Diese Umzüge fallen mit dem der Mutter Erde (Nerthus) genau zusammen, nur dass jene Göttin in dem Schiff unsichtbar thront.