Nibelungenlied - 11. - 19. Abenteuer

Kurze Übersicht über die 39 Abenteuer des Nibelungenliedes nach der Übersetzung von Karl Simrock von 1837
(Lit.: Simrock, Das Nibelungenlied):


1. bis 10. Abenteuer
11. bis 19. Abenteuer 20. bis 29. Abenteuer 30. bis 39. Abenteuer
Personen - Das Nibelungenlied


11. Abenteuer

Als Krimhild und Siegfried in dessen Heimat ziehen, verzichtet sie auf ihren Anteil am Land der Burgunder. Mit ihr gehen aber viele Ritter und Gesinde. Hagen, den sie bittet mitzukommen, lehnt ab. Er wolle einzig Gunther dienen.
In Santen bereitet man ihnen einen überschwenglichen Empfang und Siegfried erhält von seinem Vater Siegmund die Krone.
Krimhild gebiert einen Sohn, den man nach seinem Oheim Gunther tauft.



12. Abenteuer - Wie Gunther Siegfrieden zum Hofgelage lud

Brunhild grübelt in Worms, warum Siegfried nicht wie die anderen Lehnsmannen Gunthers dem Abgaben leistet. Gunther antwortet ausweichend und sie beschließen, Siegfried zur kommenden Sonnenwende nach Burgund einzuladen. Sie schicken als Boten den Markgrafen Gere zu Siegfried. Der sagt dem Boten zu, mit Kriemhild und Siegmund zum Fest zu erscheinen.



13. Abenteuer - Wie sie zum Hofgelage fuhren

Von Santen macht man sich auf nach Worms. Gunther sendet ihnen Brunhild entgegen, sie mit Ehren zu empfangen und voll freundschaftlicher Gefühle erreicht man den Hof, wo das übliche reiche Gelage anhebt. Am nächsten Tag geht es in das Münster zur Messe und so vergehen zehn Tage. Gegen den elften Tag nehmen wieder die Gedanken Besitz von Brunhilde und sie nimmt sich vor, Krimhild darauf anzusprechen, warum ihr Mann dem Gunther keine Abgaben zahlt.



14. Abenteuer - Wie die Königinnen sich schalten

Beim Ritterspiel rühmt Kriemhild gegenüber Brunhild, ihr Mann Siegfried müsse eigentlich über alle als König herrschen. Sie vergleicht ihn mit dem lichten Vollmond, der vor allen Sternen strahlt. Damit reizt sie Brunhild derart, daß die betont, Siegfried habe sich ihr gegenüber als Gunthers Eigenmann vorgestellt (vgl. 7. Abent.). Der Streit schaukelt sich auf und unversöhnt erwarten die Königinnen den kommenden Kirchgang, man werde sehen, wem im Münster der Vortritt gebühre.
Zum Gottesdienst erscheinen beide mit reichem Gefolge. Zum Verhängnis kommt es, als Krimhild die Brunhild als Kebsweib Siegfrieds bezeichnet. Sie geht daraufhin als erste in das Münster. Dann präsentiert sie ihr zum Beweis den Ring und den Gürtel, den Siegfried einst Brunhild genommen (vgl. 10. Abent.) und ihr gegeben hatte.
Gunther tritt hinzu und erfährt den Vorfall. Sofort läßt er Siegfried herbeirufen. Der schwört, er habe Brunhild niemals angerührt. Zur weiter grollenden Brunhild begibt sich Hagen von Tronje, der ihr schwört, Siegfried töten zu wollen. Giselher versucht die Wogen zu glätten, doch Hagen beharrt auf Siegfrieds Tod, bis Gunther ihm nachgibt.



15. Abenteuer - Wie Siegfried verraten wird

Unvermittelt tauchen Boten am Hofe Gunthers auf, die einen erneuten Waffengang der Könige Lüdegast und Lüdeger ankündigten - obwohl die gerade im vergangenen Jahr geschlagen wurden und Frieden versprochen hatten. (vgl. 4. und 5. Abent.)
Sofort sichert Siegfried wieder seine Hilfe zu und man rüstet zum Krieg. Nun schleicht sich Hagen zu Krimhild. Er bedeutet ihr, sich um Siegfried zu sorgen und erfährt so von dessen Gattin, daß Siegfried zwischen den Schultern eine verletzbare Stelle hat. Hagen bringt Krimhild dazu, diese empfindliche Stelle mit einem Kreuz zu markieren.
Nun im Besitz des gewünschten Wissens werden die falschen Boten enttarnt und der Heerzug abgeblasen. Da man aber so gerüstet ist und voller Tatendrang, schlägt Gunther vor, die Kühnheit einer Jagd zu unternehmen und Siegfried ist gleich begeistert dabei.
Gernot und Giselher hingegen, die in den Mordplan eingeweiht sind, bleiben der Jagd fern.



16. Abenteuer - Wie Siegfried erschlagen ward

Gunther, Hagen und der arglose Siegfried begeben sich nun zur Jagd. Vergeblich entdeckt Kriemhild ihren Mann einen Traum. Zwei Schweine hätten ihn darin zu Tode gebracht. Siegfried wähnt sich jedoch von lauter Freunden umgeben und läßt sich nicht umstimmen.
So begibt sich die Jagdgesellschaft über den Rhein, um am jenseitigen Ufer das Waidwerk zu beginnen. Man verabredet auf Hagens Anregung, bei der Jagd getrennte Wege zu gehen. Siegfried, in schwarzem Jagdgewand, macht sich mit nur einem Spürhund auf den Weg und dennoch die reichste Beute, mit Bogen und Schwert jagd er Schweine, Löwe, Hirsche, Elch und beschließt die Jagd, als ihn seine Jagdhelfer bitten, den Wald nicht leer zu jagen. Man kehrt zurück und Siegfried ist erfolgreichster Jäger. Unterwegs zur Herberge fängt er einen Bären, den er an der Leine zum Lager führt. Dort angekommen löst er dem Tier die Leine und der Bär erzeugt einigen Tumult, ehe Siegfried ihn mit Balmung erschlägt.
Beim Mahle stellt sich heraus, daß Hagen es versäumte, für passenden Trunk zu sorgen. Der erzählt von einer nahen Quelle, die in der Nähe unter einer Linde entspringt. Zum Wettlauf dorthin fordert Hagen den Siegfried und in voller Jagdausrüstung rennt er mit Abstand dorthin. An der Quelle legt er seine Waffen ab, wartet ab, bis auch sein Gastgeber Gunther getrunken hat und beugt sich dann zum Trunke nieder. Unterdessen hatte Hagen die Waffen Siegfrieds, Schwert und Bogen, heimlich zur Seite genommen und rammt dem Helden nun seinen Speer zwischen die Schultern.
Tödlich verwundet verfolgt Siegfried seinen Mörder, mit griffbereiten Waffen hätte er ihn leicht erschlagen, so versetzt er ihm nur schwere Schläge mit seinem Schild. Schließlich überwindet Siegfried seine Wunde und er sinkt in die Blumen, bitter die Untreue falscher Freunde beklagend. Er prophezeit den Burgundern, mit ihm sich selbst erschlagen zu haben. Damit stirbt Siegfried. Man hebt ihn auf einen vom Golde roten Schild und behauptet, ihr größter Held habe einen Unfall gehabt.

Von demselben Brunnen, wo Siegfried ward erschlagen,
Sollt ihr die rechte Wahrheit von mir hören sagen.
Vor dem Odenwalde ein Dorf liegt Odenheim:
Da fließt noch der Brunnen, kein Zweifel kann daran sein.
(Simrock, Nibelungenlied S. 150)

Später nachdem Siegfried tot war, begriff Brunhilde was sie getan hatte und stürzt sich aus tiefster Trauer in ihr Schwert.




17. Abenteuer - Wie Siegfried beklagt und begraben wird

Am Abend fahren sie zurück über den Rhein. In Worms ließ Hagen den Toten Siegfried vor die Wohnung Krimhildes legen. Ihr Gesinde entdeckt den blutüberströmten und holt ihn herein. Einzig Krimhild erkennt sofort, daß es Siegfried ist, daß Hagen der Mörder sein muß und Brunhild die Anstifterin. Sie läßt sofort nach den Lehnsleuten Siegfrieds und nach Siegmund schicken. Der kann das Geschehene zunächst kaum glauben. Das Wissen um den Mörder behält Krimhilde für sich und Siegmund beklagt seinen Sohn.
Trauernd bahrt man Siegfried auf, die Nibelungen rüsten, ihn zu rächen. Doch Krimhild rät von Blutvergießen ab, auch in Hinblick auf die Stärke Gunthers. Sie bittet, lieber mit ihr zu trauern und bei der Bestattung zu helfen, was zugesagt wird. So wird der Tote den nächsten in das Münster verbracht und dort aufgebahrt. Bei der Bahrprobe beginnen Siegfrieds Wunden zu bluten, als Hagen herantritt. Gunther versucht zu leugnen, doch Krimhild sagt ihnen offen die Tat zu und verhindert, daß es an der Bahre zum sofortigen Kampf kommt.
Als der Sarg geschmiedet ist fordert Krimhild, ehe er begraben wird müssen alle mit ihr trauern, drei Tage währt das allgemeine Leid, unterdessen läßt sie ihre Reichtumer im Land verteilen. Als am vierten Tag der Tote zu Grabe getragen wird, nimmt Krimhild noch einmal Abschied, küsst den Toten und weint Blut.



18. Abenteuer - Wie Siegmund heimkehrte und Kriemhild daheim blieb

Nachdem er einige Zeit in tiefster Trauer gedämmert hatte, beschließt Siegmund, das Land seines Grams auf immer zu verlassen. Auch Krimhild soll mit, doch bitten die ihre Mutter Ute und ihre Brüder Geiselher und Gernot. Weil sie im Land der Nibelungen keine Blutsverwandtschaft habe, wolle sie in Burgund bleiben, erklärt sie Siegmund ihren Entschluß und der reist ohne sie ab, allerdings in Geleit des Geiselher.



19. Abenteuer - Wie der Nibelungenhort nach Worms kam

Mit ihrem Diener, dem Markgraf Eckewart, lebte Krimhild fortan nahe des Wormser Münsters. Jeden Tag besucht sie Siegfrieds Grab und vermeidet über drei Jahre jeden Umgang mit Gunther oder Hagen. Der sorgte sich mittlerweile um den Hort Nibelunges, der zu den Burgundern kommen solle. Die zu Krimhild geschickten Gernot und Geiselher schaffen es, Krimhild zur Geste der Verzeihung zu bewegen. Einzig dem Hagen verzeiht sie nicht.
Geiselher und Gernot brechen auf ins Land der Nibelungen, wo Alberich ihnen den Schatz mit den Worten
Nun ist es Siegfrieden leider schlimm bekommen,
Daß die Tarnkappe der Held uns hat genommen
(Simrock, Nibelungenlied S. 165)

übergibt. Ein ungeheure Menge Gold und Edelsteine zeigt sich ihnen, darunter als „goldenes Rütelein” der Wunsch. Auf zwölf Wagen wird dieser Hort an den Rhein geschafft. Mit ihm geht die Herrschaft über die Nibelungen auf die Burgunder über, die fortan selbst Nibelungen genannt werden. In Worms verteilt Krimhild die Fülle der Reichtümer. Besorgt, sie könne damit eine starke Heermacht gewinnen rät Hagen, ihr den Hort zu entreißen, was Gunther zunächst ablehnt, dann aber beschließt, Krimhild entsprechend zu bereden, daß niemand ihn Nutzen solle. Aber Hagen reißt den Schatz an sich und „ließ ihn bei dem Loche versenken in den Rhein” (ebd., S. 167).
Von diesem erneuten Verlust schwer getroffen zieht Krimhild in das von ihrer Mutter Ute gestiftete Kloster Lorsch. Hierher werden auf Krimhilds Wunsch auch die Gebeine Siegfrieds übertragen.


Damit schließt der erste Teil des Liedes.