Odins Selbstopfer - Die Erlangung der Runen

Odin ist beharrlich auf der Suche nach Weisheit, vereinnahmt von seiner Leidenschaft nach Wissen. Er geht sogar soweit, dass er ein Auge als Pfand gegen einen Schluck aus Mimirs Brunnen der Weisheit gibt, um seherische Kräfte zu bekommen. Danach raubt er von Gunnlöd den Dichtermet Odrörir, der ihm ekstatische und dichterische Fähigkeiten gibt. Letztlich hängt er sich an den Weltenbaum Yggdrasil als Opfer für sich selbst, verwundet von seinem eigenen Speer, bis er herabfällt und auf der Erde das Wissen der Runen zu erlangen. Er hängt dort ohne Essen und Trinken für neun Tage und Nächte, eine sehr wichtige Zahl in der nordischen Magie (es gab z.B. 9 Ebenen der Existenz), wobei er neun magische Gesänge und 18 magische Runen lernt (Havamal).

Sinn und Zweck dieses seltsamen Rituals, bei dem ein Gott sich selbst für sich selbst opfert, weil es nichts Höheres gibt, dem man sich opfern könnte, könnte sein dass man durch das Töten des Fleisches mystische Einsichten erlangt. Einige Wissenschaftler sind der Meinung, dass die alten Germanen glaubten, man könne nur vollkommene Kenntnis der Runen durch den Tod erlangen.

Man könnte dies als eine verdrehte Version des Todes Christi am Kreuz sehen, doch möglicherweise ist es wahrscheinlicher, dass diese Opfer-Episode den Einfluss des Schamanismus' zeigt, wo das symbolische Bezwingen eines "Weltenbaumes" durch den Schamanen eine gebräuchliche religiöse Praxis auf der Suche nach mystischem Wissen darstellt. Wir wissen, dass Opfer für die Götter, seien es menschliche oder andere, gemeinhin in oder an Bäume gehängt wurden, oft fixiert mit Speeren.

Einer von Odins Namen ist Ygg, und Yggdrasil bedeutet daher "Yggs (Odins) Pferd". Ein anderer Name Odins ist Hangatyr, der Gott der Erhängten. Er kann Tote erwecken oder befragen. Hier mehr zu Hangatyr.