Siegfried - Held

Siegfried („Sieg” u. „Frieden”) ist die bekannteste deutsche Sagengestalt. Die Siegfriedsage wird als alter Naturmythos gedeutet: Ohne Kenntnis seiner Eltern wächst der junge Siegfried im Wald bei einem albischen Schmied auf. Dank dieser Ausbildung gelingt es ihm, die Waberlohe zu durchschreiten und die darin eingeschlossene Jungfrau (Brunhilde) zu gewinnen. Mit ihr erhält er einen unerschöpflichen Hort, der ursprünglich den Nibelungen gehörte sowie übermenschliche Macht. Als Siegfried durch Zauber von den Nibelungen gefangen und getötet wird, erhalten die mit der Brünhilde auch ihren Hort zurück.

Siegfried ist auch Überwinder des Drachen, dem Hüter des Hortes. Durch Genuß dessen Herzens versteht Siegfried Vogelstimmen, das Bad in dessen Blut macht ihn zum unverwundbaren „Hörnen Siegfried”. Außer an einer Stelle, zwischen seinen Schultern, dort lag nämlich ein Lindenblatt, während er sich in des Drachen Blut badete, und machte ihn so an dieser Stelle verwundbar.

In der Thidrekssaga ist sein Vater Sigmund König im Tarlungaland, das der Darlingau nördlich des Harzes sein soll (Ritter-Schaumburg 1992, S. 116), im Nibelungenlied heißt er Siegfried von Xanten. Seine Mutter ist entweder Sissibe oder Siegelind.

In jedem Kampf blieb Siegfried ungeschlagen, einzig von Dietrich wurde er anläßlich eines Zweikampfes in Bertangaland überwunden, aber nur, weil der gegen die Abmachung betrügerisch das Schwert Mimung führte.

Seinen Tod fand Siegfried, als Hagen den arglosen hinterrücks erstach.

Siehe hier das ganze Nibelungenlied


Siegfrieds Jugend

In der Sage um Dietrich von Bern wird Siegfrieds Jugend erzählt. Geboren ist er im tiefsten Walde und wurde zwölf Monate von einer Hirschkuh gesäugt (wie es dazu kam siehe unter Sissibe), ehe ihn der albische Schmied Mime findet und aufzieht. Der Junge entwickelt sich prächtig, den Amboß seines Ziehvaters zerschlägt er 9jährig mit dem Hammer. Das wird dem Mime besorgniserregend und er sucht sein Ziehkind loszuwerden.

Er sendet ihn zum Holzfällen in einen Teil des Waldes, wo ein Lindwurm sein Unwesen treibt. Den aber überwindet entgegen seiner Hoffnung der junge Siegfried und gewinnt zusätzliche Macht, als er das Drachenfleisch brät, sich daran verbrennt und den Finger ableckt. Fortan versteht er die Sprache der Vögel, die ihn vor Mime warnen. Überdies macht ihn das Drachenfett unverwundbar, einzig eine Stelle zwischen den Schultern kann er beim Einölen nicht erreichen.

Zu Brunhilde gelangt er und erhält von ihr das Wissen um seine Herkunft und eine wundersames Pferd, auf dem er zu weiteren Abenteuern reitet.


Nibelungensage

Im Nibelungenlied wird der Sagenkreis um Siegfried mit den historischen Ereignissen zur Wanderungszeit verknüpft, als die Macht des Burgunders Gundahari (Gunther) am Hunnen Attila (Etzel) zerbricht.

Siegfried wächst in den Niederlanden in der Feste Santen (Xanten) als Sohn des reichen Königspaares Siegmund und Siegelind auf. Schon in der Jugend tut er sich durch Heldentaten hervor, ehe er zur Sonnenwende mit 400 anderen Knappen zum Ritter geschlagen wird. Um die burgundische Königstochter Krimhild zu minnen, zieht er nach Worms, wo die versteckt auf der Burg ihres Bruders Gunthers lebt. An dessen Hof ist Siegfried ein Jahr zu Gast, ohne Krimhild zu Gesicht zu bekommen, doch gewinnt er Gunthers Gunst, indem er ihn im Kampf gegen den Sachsen Lüdegast und den Dänen Lüdeger beisteht. Aber erst, nachdem Siegfried für den Gunther die Brünhilde gewinnt, darf er selbst Krimhilde freien.

Gunther beschließt, um die unerreichbare Brunhilde zu werben, die auf Island lebt und jeden Werber, der sie nicht in Speerwurf, Steinstoß und Sprung überwindet, tötet. Mit Siegfried, der ihm erst mit der Tarnkappe, dann mit seinen Lehnstruppen der Nibelungen hilft, gelingt die Brautwerbung und es kommt zur Doppelhochzeit Gunthers mit Brunhilde und Siegfrieds mit Krimhild.
Ein weiteres Mal muß Siegfried dem Gunther helfen, als der in der Hochzeitsnacht von Brunhilde gefesselt und an einen Nagel gehängt wird. In der folgenden Nacht ringt Siegfried, unter der Tarnkappe versteckt, mit ihr und es gelingt ihm, wenn auch mit Mühe, Brunhilde ihren Gürtel und ihren Ring abzunehmen.

Weil Brunhilde annimmt, Gunther habe sie überwunden, akzeptiert sie nun ihren Gatten. Doch kommt es zum Zwist mit Krimhild, als die Königinnen sich streiten, welcher von ihnen die größere Ehre zukomme. Im Wortgefecht zeigt Krimhild der Widersacherin den Ring, den Siegfried der einen genommen und der anderen gegeben hatte.
Daraufhin läßt Brunhilde Siegfried durch Hagen von Tronje töten.

Hagen war Siegfried von Anfang an nicht wohlgesonnen. Nun schleicht er sich Krimhild ins Vertrauen, daß die ihm die einzige Stelle entdecke, an der Siegfried verletzbar sei, angeblich, um ihn in einem bevostehenden weiteren Waffengang gegen Lüdegast und Lüdeger beschützen zu können. Tatsächlich ist das eine Finte und Hagen nutzt die Gelegenheit, Siegfried einen Speer in die bezeichnete Stelle zwischen den Schulterblättern zu stoßen.


Deutungen

In der Gestalt des Siegfried klingen alte Vorstellungen eines Sonnengottes und Lichtheros an, der tagsüber unüberwindlich ist, nachdem er die Sonne aus den Fängen des Nebels befreit hat und der von den Dämonen der Dunkelheit gegen Abend getötet wird. Am nächsten Tag wiederholt sich das Drama mit Auferstehung des Helden.

So hat im Nibelungenlied Siegfried, den sein Vater Sigmund zur Sonnenwende zum Ritter geschlagen hatte, im Kampf gegen Lüdegast und Lüdeger tagsüber nichts zu befürchten:

„Wohlauf,” sprach da Siegfried, „hier wird noch mehr getan
Vor Abendzeit, verlier ich Leben nicht und Leib”

Nibelungenlied, 4. Abent. (Simrock, S. 48)

Als er dagegen nachts mit der Brünhilde ringt, bedarf er weiterer Hilfsmittel, nämlich der Tarnkappe des Nebelvolkes.

Die zwölf Gesellen, die Siegfried zu den Burgundern begleiten, erinnern an die zwölf Monate bzw. Sternzeichen, die das Sonnenjahr umfaßt.

Siegfried entspricht dem nordischen Sigurd.