Skuld - Schicksalsgöttin

Skuld (nord. „Schuld, Zukunft”) ist eine germanische Schicksalsgöttin. Sie steht für die Zukunft und ist die jüngste der Nornen.
Diese drei Nornen heißen Urd, Verdandi und Skuld (Edda, Voluspa 20).

Gelegentlich wird Skuld zu den luftreitenden Walküren gezählt (Voluspa 24, Grimm 1992 S. 335). Als die jüngste der drei Nornen ist sie auch am ehesten zu jenen Kriegsjungfrauen zu denken.

Sie hat Einfluss auf die Kriege und bestimmt wer in einem solchen stirbt. Sie zertrennt sozusagen, die Lebensfäden der Menschen.

Somit ist sie die Verbindung zwischen Tod und Nachleben. Sie gilt auch als Göttin der Ewigkeit oder der Unsterblichkeit.

Wie auch Heidr oder Hamglöm streift Skuld nächtens durch die Wälder, ehrerbietig wird sie von den Menschen eingeladen und um Weissagung gebeten. Auf dem Schemel Seidhjallr sitzend lässt sie diese an ihrem Zauber Seidr teilhaben.

Da der Schwan das Symbol der Nornen ist, ist der Schwan auch Skulds heiliges Tier.

Siehe auch Nornen

Von F. G. Klopstock stammt die Ode „Skulda” (1766).

Skulda

Ich lernt' es im innersten Hain,
Welche Lieder der Barden, ah,
In die Nacht deines Tals sinken, Untergang,
Welch' auf den Höhen der Tag bleibend umstrahlt.

Ich sahe - noch beb' ich vor ihr -
Sah der richtenden Norne Wink;
Ich vernahm hör' ihn noch - ihres Fluges Schlag,
Daß bis hinauf in des Hains Wipfel es scholl.

Gekühlt von dem wehenden Quell,
Saß und hatt' auf die Telyn1 sanft
Sich gelehnt Braga. Jetzt brachte Geister ihm,
Die sie, in Nächten des Monds, Liedern entlockt,

Die Norne Werandi, und sie
Hatt' in Leiber gehüllt, die ganz
Für den Geist waren, ganz jeden leisen Zug
Sprachen, Gebilder, als wär's wahre Gestalt.

Zehn neue. Sie nahten. Nur eins
Hatte Mienen der Ewigkeit,
Vom Gefühl seines Wertes schön errötend, voll
Reize des Jünglings und voll Stärke des Manns.

Mit Furchtsamkeit trat es herzu,
Als es stehen die Norne sah,
Die allein nach des Tags fernen Hügel führt
Oder hinab, wo die Nacht ewig bewölkt.

Nachdenkender breitete schon
Skulda schattende Flügel aus;
Doch es sank nieder noch ihr der Eichenstab,
Dessen entscheidender Wink Toren nicht warnt.

Die Neune betraten den Hain
Stolz und horchten mit trunkenem Ohr
Dem Geschwätz, welches laut Stimmenschwärme schrien
Und von dem wankendem Stuhl Richter am Tal.

Sie schreckte das Lächeln im Blick
Skuldas nicht, und sie schlummerten,
Noch getäuscht, ahnungsfrei, auf den Kränzen ein,
Welche jetzt grünen ihr Traum, welken nicht sah.

Ah, Norne! ... Sie hub sich im Flug,
Schwebt' und wies mit dem ernsten Stab
In das Tal. Taumellos endlich schlichen sie
Kürzeren, längeren Weg, aber hinab.

Dem einen nur wandte sie sich
Nach den schimmernden Hügeln hin.
Es entfloß Lautenklang ihrer Flügel Schwung,
Da sie sich wandt', und der Stab Ewigkeit wies.

1Telyn: Die Leier der Barden

Nach: Klopstock, Oden und Epigramme.
Reclam Universal-Bibliothek 1391 - 1393, Leipzig. o.J.