Sleipnir - Odins achtbeiniges Pferd

Sleipnir (nord.„der Dahingleitende” ) ist Odins sagenhaftes Streitross, das acht Beine und eine graue Färbung hat. „Das Gleitende” heißt es, weil es zu Land, zu Wasser und in der Luft gleichermaßen „dahingleiten” kann. Überdies ist Sleipnir das schnellste Pferd der Welt.

Sleipnir entstand aus einer Liaison zwischen dem Hengst Svadilfari und Loki, der sich in eine Stute verwandelt hatte. Loki musste die rechtzeitige Fertigstellung Asgards verhindern. Er verwandelte sich darum in eine Stute und verführte so Svadilfari, den Hengst des Baumeisters. Davon wurde Loki schwanger und gebar den Sleipnir.

Sleipnir war von enormer Kraft. Als Odin ihn einmal anband und dazu mit seinem Schwert ein Loch durch diesen Stein stieß und die Leine da hindurch führte, riß Sleipnir den Fels kurzerhand entzwei. Auch soll das Gewicht des Geschirrs einen Stein, auf den Odin es legte, zerbrochen haben. Das soll in Öland, Högrumsocken, geschehen sein (GRIMM, 1992, Bd. I, S.128).

Auf diesem Pferd vermag Odin auch in die Welt der Toten einzureiten. Um Balders Träume zu ergründen, reitet er auf Sleipnir nach Nifelheim (Edda, Balders Träume 2).

Als Balder gestorben war, ritt sein Bruder, der Götterbote Hermodhr,
auf Sleipnir nach Hel, um ihn von dort zurückzuholen.

Zu Ragnarök wird Odin auf Sleipnir in die Schlacht reiten.

Sleipnir war Stammvater des Grani, dem Pferd Sigurds.

Das Roß Odins ist auch in Dichtung und Volkstum eingegangen. Sleipnirs verdr (Speise) ist eine Umschreibung (Kenning) für das Heu. „In Schonen und Blekingen blieb es lange sitte, daß die ernter auf dem acker eine gabe für Odens pferde zurück ließen” (GRIMM, 1992, Bd. I, S.128). Ähnliches Brauchtum gab es auch in Mecklenburg (ebd.).
Damit Wodens (=Odin) Pferd den Samen nicht zertrampele, unterließ man es, am Wodenstag (Mittwoch) kein Lein zu jäten.