Sonnenwende - Fest

Die Tage des Jahres, an denen die Stunden des Sonnenlichts mehr bzw. weniger werden, genießen bei Feierlichkeiten im Jahreskreis besondere Beachtung, die Nächte, in denen die Entwicklung kippt, werden mit besonderen Festen begangen.

In den Juni fällt die Sommersonnenwende, in den Dezember die Wintersonnenwende. Besonders in Regionen mit harten und dunklen Wintern werden letzterem hohe Feste gewidmet, die um den Zeitraum der Sonnenwende gefeiert werden (Julfest, Weihnachten).

Dazu kommen die Tage des Frühlingsanfanges im März und des Herbstbeginns im Oktober. Zu diesen Zeiten sind Tag- und Nachtdauer genau gleich lang (Frühlings- und Herbstäquinoktikum).
An allen diesen Tagen beginnt eine der vier Jahreszeiten, astrologisch gesehen tritt die Sonne in die vier Kardinalzeichen Widder, Krebs, Waage und Steinbock. Entsprechend diesen vier Eckpunkten (lat. Cardo) des Tierkreises kommt den von ihnen beherrschten Eckhäusern I., IV., VII. und X. besondere Bedeutung zu.

In solchen Zeiten sind die Grenzen zwischen den Welten durchlässig, so daß die Kontaktaufnahme zu Göttern, Dämonen oder Toten besonders aussichtsreich sein soll.

Zur Sonnenwende, wie sie im fern im Norden gelegenen Thule gefeiert wurde, berichtete der byzantinische Geschichsschreiber Prokop:

„Dort aber geschieht jährlich etwas Wunderbares: ungefähr zur Zeit der Sommersonnenwende geht vierzig Tage lang die Sonne nicht unter, sie ist die ganze Zeit über dem Erdboden sichtbar. Sechs Monate später sieht man die Sonne überhaupt nicht, es herrscht ständige Nacht (...)
Wenn fünfunddreißig Tage der winterlichen Dunkelheit verflossen sind, ersteigen etliche Männer eine Bergspitze, und sobald sie dort die Sonne sehen, teilen sie den Menschen unten im Tal mit, daß sie in fünft Tagen wieder scheinen werde.” (zit. nach Pörtner 1971, S. 402)

Astronomisch bedeutet die Sonnenwende (lat. solstitium, „Sonnenwende”) die größte nördliche oder südliche Deklination der Sonne am 21. Juni und am 21. Dezember (Sommersolstitium bzw. Wintersolstitium).