Tannhäuser - Sänger

Tannhäuser („Bewohner des Hauses Tann”) ist in der deutschen Rittersage einer jener der von Hof zu Hof fahrenden Sänger, deren Kunst im Deutschland des Hochmittelalters in besonderer Blüte stand. Diese Sänger waren Ritter, die Schwert und Panzer Saitenklang und Verse vorzogen.

Tannhäuser war unstet und leichtlebig, nicht Geld noch Gut blieb an ihm haften, und der Untergang des Babelsbergers Herzog Friedrich, bei dem er in Wien längere Zeit freundlichste Aufnahme gefunden hatte, zwang den Tannhäuser zur erneuten Wanderschaft.

Nach einem Aufenthalt in Pavia, Italien zog er wieder nach Norden und über Bayern gelangte er nach Thüringen. Hier traf er einen Mann, ganz in schwarz gekleidet mit, mit schwarzen Augen und ebensolchem Haar. Der stellte sich ihm als Meister Klingsor vor und empfahl ihn die Wartburg des Landgrafen Herrmann, wo bald ein Sängerkrieg beginnen sollte.

Zu Füßen der Wartburg rasteten sie und aus der Ferne erblickte Tannhäuser die schöne Tochter des Landgrafen, Elisabeth von Thüringen, die schon zu Lebzeiten als Heilige galt. Sehnsuchtsvoll sah Tannhäuser zu ihr hin, als sich in ihrer Nähe der Wartberg auftat, schönste Musik, sirenenhafter Gesang und strahlender Schein drangen aus dem sich öffnendem Fels.

Aus der Grotte schwebten schöne Jungfern und lockten „Komm, o komm doch!” Erschrocken wandte sich Tannhäuser zum Klingsor hin, doch war der verschwunden und statt seiner kam ein greiser Pilger des Weges, der getreue Eckehard. Der warnte den Tannhäuser vor der Grotte, denn der Berg sei der Hörselberg, darin befände sich das Reich der Venus, seiner christlichen Sichtweise gemäß eine höllische Göttin.

Entgegen der Warnung Eckehards und trotz des Blickes der Elisabeth von Thüringen gab sich Tannhäuser den Lockungen hin und betrat den Hörselberg.

Hier empfing ihn Frau Venus, in einem erleuchteten Saal auf Rosen gebettet. Mehrere Monate genoß Tannhäuser das leichte Leben ohne jede Anstrengung - sogar das musizieren verwehrte ihm die Venus, das besorgten die Nixen. Doch endlich war Tannhäuser dieses Lebens überdrüssig, er bat Frau Venus um Urlaub, sehnte es ihm doch sehr nach seiner deutschen Heimat.

Ungern gewährte ihm die Göttin den Abschied, doch warnte sie ihm vor der Untreue der Menschen. Sie selbst sei die Göttin Freia gewesen, Göttin der Liebe und Gemahlin Wodans, doch seit Yggdrasil, die Weltenesche, eingestürzt und Walhalla verbrannt war, sei sie als Frau Venus in den Hörselberg verbannt. Und an diesem Zustand seien die Menschen schuld.

Tannhäuser konnte nicht anders, er mußte fort, doch gab ihm Venus auf den Weg, ihre Pforte werde immer für ihn offenstehen.
Mit einem Mal verschwand alle Pracht in einem Donnerschlag und Tannhäuser wurde ohnmächtig.

Als er erwachte freute er sich sehr, wieder der vertrauten Welt zu gehören. Doch hatte er im christlichem Geiste gelebt und empfand das Bedürfnis, Busse zu tun. So war er beglückt, in der Ferne Kirchenglocken zu hören und begab sich dahin. Dem Priester jener Waldkapelle beichtete er, im Hörselberg gewesen zu sein, doch entsetzte sich darüber der Gottesmann und meine, so schwere Schuld könne er nicht vergeben, Tannhäuser solle doch nach Rom ziehen.

Als armer Pilger ging Tannhäuser während des einbrechenden Winters nach Rom und völlig abgehärmt traf er beim Papst ein. Der lustwandelte gerade in seinem Vatikanischen Garten und ihm zu Füßen warf sich Tannhäuser, um Gnade und Vergebung flehend.

Der Papst schwieg eine Weile, dann sprach er: „Jedem Sünder wird vergeben, nur dem nicht, der bei Frau Venus im Hörselberg weilte, der bleibt auf ewig verdammt.” Die harten Worte unterstrich er, indem er seinen Stecken in den Boden rammte und dazu sagte, wie jener Stab kein Grün mehr treiben werde, so könne auch Tannhäuser keine Erlösung finden.

Erschüttert lag Tannhäuser da, bis ihn die Diener des Papstes aus dem Garten führten.
Drei Tage später durchwandelte der Papst erneut seine Gärten, da entdeckte er den Stab und erkannte, daß der Stecken Blätter und Blüten getrieben hatte. Dieses Wunder belehrte den Heiligen Vater darüber, daß die Gnade des Herrn größer war, als angenommen und gedachte der Worte: „Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet” (Matthäus 7,1). Sofort schickte er dem fremden Pilger nach, doch blieb der verschwunden.

Tannhäuser hatte sich wieder nach Norden aufgemacht. als er in Thüringen angekommen war, öffnete sich ihm der Hörselberg und Frau Venus selbst nahm den an Gott und der Welt verzweifelten Wandersmann freundlich wieder auf.

Der Mythos von Tannhäuser, der lange bei der Göttin im Berge weilt (sie wird anstelle Venus auch Holda genannt) klingt als Motiv in vielen Geschichten und Märchen an. Der keltische Tamlane lebte bei der Feenkönigin, Thomas of Ercildon (Thomas der Reimer) bei der Fairy Queen, Ogier ganze 200 Jahre bei der Fata Morgana in Avalon, auch der griechische Odysseus verbrachte lange Zeit erst bei der Kalypso, dann bei der Zauberin Kirke auf ihrer geheimnisvollen Insel (vgl. Grimm 1992, Bd. II, S. 781).

Der Name Tannhäuser in seiner Bedeutung als „Bewohner des Hauses Tann” deutet auf andere Namen der Göttin hin, z. B. Dann, Danu, Diana, Tannetis. Priesterin dieser Großen Göttin war die „Königin Sibylle”, bei der Tannhäuser in verschiedenen Versionen / Deutungen der Sage Aufenthalt nahm (Walker 1993, S. 1048) Diese Sibyllen bewohnten Grotten, am bekanntesten ist sicher die Sibylle der römischen Sage, in deren Grotte bei Cumae der Aenaes hinabstieg und ihren Rat einholte.