Thors Heimholung des Hammers

Thors Hammer Mjöllnir war der Asen Versicherung gegen Angriffe der mit ihnen verfeindeten Riesen. Als einmal Zwerge dieses Gerät gestohlen hatten, war jedes Mittel recht, die wunderbare Waffe wiederzuerlangen.

Eines Morgens vermisste Thor seinen Mjöllnir. Aufgeregt beriet er sich mit Loki. Sie begaben sich zur Freyja und von ihr leihte sich Loki ihr Falkengewand. Mit diesem Federkleid vermochte er in windeseile zu Thrym, den König der Thursen, zu fliegen.

Der Riese entgegnete dem Loki:

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„Verholen hab ich
den Hammer Thors
unter der Erde
wohl acht Meilen.
Wieder heimwärts
holt ihn niemand,
führt man als Frau
mir Freyja nicht her.”
(Edda, Thrymlied)

Das war ein Schlag für die Asen, der Frostriese Thrym stahl Mjöllnir und weigerte sich ihn zurückzugeben, es sei denn, die Götter würden ihm Freyja (die Göttin der Liebe, und die Schwester von Freyr) geben, um seine Braut zu werden. Freyja lehnte natürlich ab. Die Götter waren ratlos, wie sie Mjöllnir zurückgewinnen sollten. Doch Loki wusste einen Ausweg und heckte einen Plan aus: Thor würde sich als Freyja verkleiden und zur Halle der Thryms reisen, um den Hammer zurückzugewinnen. Thor protestierte dagegen, "Ihr Asen denkt, dass ich mich pervertiere." Aber angesichts der Aussicht, Asgard bald unter riesischer Besatzung zu sehen, willigte er doch ein:

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Da sagte Thor,
der trutzstarke:
„Weibisch nennen mich
Wanen und Asen,
lass ich mich binden
mit Brautlinnen.”

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Da sprach Loki,
der Laufeys Sohn:
„Solche Sprache
spare dir, Thor!
Bald sitzen Riesen
im Ratersaal,
holst du nicht heim
den Hammer dir.”

(Edda, Thrymlied)

Die Götter zogen Thor einen Brautschleier und ein Kleid an. Zu dieser Ausstattung fügten sie Ahlen hinzu, und sie hingen einen Schlüsselbund um seine Taille. Ihm wurde auch Freyjas Halsband Brisingamen umgelegt. Ihm wurde nur noch elender, als sich jetzt alle Götter versammelten. Proteste des Thors wurden ignoriert, während die Götter ihre Bemühungen darauf setzten, Thors Kopf mit Kopfbekleidung zu schmücken.

Loki ging zur Sicherheit als seine Brautjungfer und Magd mit, denn machten sie sich auf den Weg zu Thryms Halle, im Land der Riesen Jötunheim. Thrym war in Ekstase, als er sah, dass "Freyja" ankam. Er fing sofort mit den Vorbereitungen für die Hochzeit an.

Am Abend, während des Festes, war Thrym überrascht über "Freyjas" enormen Appetit (Thor aß mehrere Ochsen) und ihren Durst (drei Fässer mit Met) sowie von ihren flammenden Augen. Aber ihre "Brautjungfer" erklärte Thrym, dass es an "Freyjas" wilden Erwartungen für ihre Hochzeitsnacht läge. So lies sich Thrym Misstrauen durch Lokis süßliche Worte beruhigen. Als dann Mjöllnir heraus geholt wurde, um die Ehe zu heiligen, und auf den Schoß der vermeintlichen Braut gelegt wurde, nahm Thor die Gelegenheit wahr und schnappte sich blitzschnell den Hammer und zerschmetterte den Schädel des Thrym und erschlug sogleich alle anderen Riesen in der Halle. Er hatte wieder die Macht über seinen Hammer.

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Lese hier die Edda Erzählung: Das Thrymlied (Thrymskvida)

Es ist eine schöne untertriebene Komödie und man muss die exzellenten Balladen beachten, die vielen Sprachen zugeordnet werden können. Es hebt auch einen bedeutenden Aspekt der Ansichten der Nordmänner von ihren Göttern hervor. Denn Eher als die fürchterlichen Gottheiten, waren die Skandinaviergötter und Göttinnen Kameraden der Menschen, mit denen es auch üblich war, vertraut zu sein.

Zweifellos war Humor in dieser Geschichte, bestehend aus subtilere Stimmung von einem anderen Niveau.

Eine Ausgabe für Kinder von Thrymskvida wurde in Island 1980 veröffentlicht, veranschaulicht von Haraldur Gudbergsson. Die Abbildungen nehmen tadellos die Stimmung der Geschichte gefangen und haben zahlreiche Kinder erfreut, zu denen ich das Gedicht gelesen habe.


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