Vom Sinn der Fastnacht

Die heute inhaltslos gewordenen Gewohnheiten wurzelloser Großstädter, haben alle seine Wurzeln im Boden jahrtausendealter Überlieferungen, so auch die der Fasnacht. Die Fasnacht war für die alten Germanen eine Siegesfeier im ewigen Kampf um Sicherung und Wahrung des Lebens. Der mit der Sonne sehr eng verbundene Nordmensch feierte gerade dann besonders überschwänglich, wenn die Sonne aus der engen Hälfte des Winters heraustrat und als befreite Königin strahlend ihren sommerlichen Lauf zur Höhe begann.
Hier liegen die Wurzeln des Fasnacht, welche ursprünglich weder etwas mit dem kirchlichen Fastengebot zu tun haben, noch ihren Namen daher bekamen. Der Name Fasnacht bezeichnet ursprünglich die Feuernächte des wachsenden und früchtereifen Lebens. Diese Feiern waren von unbändiger Fröhlichkeit geprägt. Man rannte lärmend mit Fackeln über die Felder mit dem Ziel "das Korn zu wecken". Durch Kinderspiele und Lieder wurden einige Brauchtümer bis in die heutige Zeit bewahrt. So zum Beispiel das Frühjahrsspielchen von der Jungfrau mit den goldenen Haaren, welche später zum Brautlauf geführt wird. Oder auch das uralte Spiel von Himmel und Hölle, welches auf den Asphalt gemalt, sich heute noch größter Beliebtheit erfreut.
Man fragt sich weshalb diese Spiele im Kalender teilweise soweit auseinandergeschoben sind. Dies liegt an der Kirche, und an der von ihr eingeführten Fastenzeit. Diese lag mitten in den eigentlichen Feierlichkeiten, sodass man einige Bräuche sowohl im Frühling als auch im Sommer wiederfindet.
Das Wort Karneval, welches lateinischen Ursprungs ist, hat wiederum einen uralten germanischen Brauch. "Carrus navalis" ist ein auf Räder gesetztes Schiff, welches in früheren Tagen von lärmenden Menschen durch die Straßen gezogen wurde, und den Sieg des neuen Lebens verkündete. Fröhlichkeit und Lebenslust und überquellende Daseinsfreude - das ist der Sinn der fröhlichen Fasnacht.