Von der germanischen Landnahme

Der alte germanische Gedanke, das der Boden mehr zähle als ein toter Besitz, wird durch die Denkweise verdeutlicht, dass eben jener Boden Träger allen Lebens ist, und ein von Gott selbst gegebener Pfand für die Menschen sei.
Die Germanen heiligten das genommene Land durch das Abschreiten der Grenzen mit Fackeln. Falls es sich nur um eine kleines Stück Land handelte, so wurde ein brennender Pfeil darüber geschossen. Dieser Feuerbrauch war ebenfalls auf die Sonne bezogen. So wurden auch, als sichtbares Zeichen der Vermählung der Sonnenkraft mit der Erdkraft, große Lanzen auf den Feldern aufgestellt. Deren brennende Spitzen standen der aufgehenden Sonne gegenüber und sollten bis in die Nacht hinein brennen.
Wann immer man ein neues Stück Land nahm, so wurde ein Teil der Erde von dem alten Stück Land auf dem neuen ausgestreut. So konnte sich die Erdkraft voll entfalten und der Siedler nahm immer auch ein Stück seines alten geheiligten Stück Bodens mit auf das Neue.