Wasser - Element des Lebens

Das fließende Wasser ist charakteristisches Merkmal des blauen Planeten Erde, die Erdoberfläche besteht zu 29% aus Land, zu 71% aus Wasser. Das Land selbst durchziehen Bäche und Ströme.
Nur wo Wasser in ausreichendem Masse vorhanden ist, können sich irdisches Leben und Zivilisation entwickeln. Entsprechend ist das lebenspendende Wasser Gegenstand der Verehrung, sei es als Flußlauf, Regen oder Quelle.

Dabei bringt das Wasser nicht allein Leben hervor, es sorgt auch für Zerstörung und Tod, wenn es als Meeresbrandung, Strudel, Hochwasser (Sintflut) oder Eis seine Macht beweist, dem der Mensch nur mit Ehrfurcht begegnen kann.
Die Weite des die Kontinente umspülenden Ozeans markiert die Grenze der Menschenwelt, am anderen Ufer wird das Jenseits angenommen.

Das Wasser gilt als das erste der Elemente, als „Mutter aller Dinge” arche. Ein sinnlicher Vergleich rückt Wasser und Liebe zusammen. Wie sich das Wasser in der göffneten, hohle Hand halten läßt und entweicht, wenn die Hand sich zur festhaltenden Faust schließt, so wird auch die Liebe bei Zwang zu einem flüchtigen Phänomen.

Durch Vermischung von Feuer und Wasser entsteht im Schöpfungsmythos die Welt. Im nordischen Mythos schmelzen die Funken Muspelheims die Gletscherwasser Hvergelmirs, es ensteht der Riese Ymir (Edda, Wafthrudnirlied 30).

Diese Verbindung der eigentlich unvereinbaren Elemente Feuer und Wasser ist Ziel der Alchimie. Damit die Verschmelzung gelingt, bedarf es eines fünften Elements, der Äther oder Quintessenz (lat., „fünfter Bestandteil”) genannt wird.

Auch naturgeschichtlich sucht man im Meer den Ursprung des Lebens. Das Meerwasser enthält in ausreichendem Maße alle Grundstoffe, die für das Leben erforderlich sind. Gleichzeitig werden diese Stoffe durch die Brandung genügend gequirlt, daß möglichst viele Verbindungen probiert werden können. Darüber hinaus schützt das Wasser empfindliche Verbindungen vor zu intensiver Strahlung der Sonne, andere werden in ihren Einflußbereich gespült.
Aphrodite entstand, als sich die himmlische Zeugungskraft mit dem irdischen Meer verband. Sie ist nicht allein die griechische Liebesgöttin, sondern Göttin der Fruchtbarkeit überhaupt und als eine Form der Großen Mutter Gebärerin allen Lebens.

Göttinnen, Meerriesen, Wassernymphen und dergleichen sind vielfach ältere Naturgottheiten, die von mehr geistigen Gottheiten verdrängt wurden.


Volks- und Aberglauben
Das reinigende Wasser beseitigt nicht nur Staub und Schmutz, ihm werden auch läuternde Wirkungen zugesprochen, da es zum Beispiel gegen Hexerei schützt, auch Milch kann durch Beimengung von etwas Wasser vor verderblichem Zauber bewahrt werden. Dämonen sollen weniger leicht in ein neues Heim dringen können, wenn beim Bezug ein Eimer Wasser mit hineingebracht wird. Umgekehrt spült man der herausgetragenen Leiche Wasser hinterher, um einen Besuch des Wiedergängers zu vermeiden. Aus ähnlichem Grund werden Leichen gewaschen, damit sich am Verstorbenem keine Dämonen einfinden. Dem Sterbenden wird ein Eimer Wasser zur Seite gestellt, um der Seele eine Reinigung vor Antritt der Reise ins Reich der Toten zu ermöglichen (Wehr 1992, S. 222).

Soll mit Wasser ein Heilmittel bereitet werden, so ist es einem Bachlauf stromabwärts zu schöpfen. Geweihtes Osterwasser („Ostertauf”) wird in Eierschalen zum Feld getragen und soll vor Hagelschlag schützen (Wehr 1992, S. 223).

Wie sauberes Wasser reinigende Wirkung hat, so gilt verschmutztes oder sonstwie beeinträchtigtes für unheilbringend, da es finstere Mächte geradezu anzieht (Wehr 1992, S. 223).

Wasser kann auch zu Orakelzwecken verwendet werden: „mitten in der christnacht nehmen einige ein gefäß mit wasser und messen es mit einem gewissen kleinen maße in ein ander gefäß, dies wiederholen sie etliche mal u8nd sehen dabei zu, ob sie mehr wasser finden, als das erstemal: daraus schließen sie zunahme an hab und gütern im folgenden jahr. findet sich einerlei maß, so glauben sie an einen stillstand des glücks, findet sich aber weniger wasser, an abnahme und rückgang”
(Grimm 1992, Bd. II, Nr. 953, S. 469)


Astrologie
In der Astrologie sind dem Element Wasser die Tierkreiszeichen Krebs, Skorpion und Fische zugeordnet.


Tarot
Im Tarot findet das Element Wasser seine Entsprechung in den Kelchen der Kleinen Arkana und im Gehängten der Trumpfreihe, auch die Königinnen der vier Farben stehen für die wässrige Seite des jeweiligen Elements.


Verschiedenes
In Benin/Westafrika gilt es als Zeichen der Gastfreundschaft, dem Besuch einen Schluck Wasser anzubieten.

Seit 1992 soll auf Beschluß der Generalversammlung der Vereinten Nationen jedes Jahr am 22. März, dem „Weltwassertag”, der überragenden Bedeutung des Wassers gedacht werden.


In der Runenreihe ist Laguz die Rune des lebensspendenden Wassers.

Von den Engelschören entsprechen dem Element Wasser die Erzengel und die „Gekrönten” (Zuordnung bei Agrippa von Nettesheim, zit. n. Biedermann 1998, 143).