Wieland der Schmied - Thidrekssaga

Der gliedergewaltige Riese Wadi war kein Kriegsheld, sondern wohnte friedlich auf seinen Höfen in Seeland. Er hatte einen Sohn namens Wieland, der sich schon in seiner Kindheit durch große Geschicklichkeit auszeichnete. Darum beschloß Wadi, ihn Schmied werden zu lassen. Nun hatte er von einem Schmied Mimir in Hunenland gehört, der als der geschickteste aller Männer gepriesen wurde. Zu diesem fuhr darum Wadi und gab seinen Sohn in Mimirs Hand, damit er die Kunst, Waffen zu schmieden, lerne.

In dieser Zeit verweilte bei Mimir der starke junge Siegfried (Sigurd), der tat den Schmiedgesellen manches Üble, schlug und mißhandelte sie. Als dem Wadi berichtet wurde, daß seinem Sohn von Sigurd über mitgespielt werde, fuhr er hin und holte ihn heim nach Seeland.

Wieland war drei Winter lang bei Mimir gewesen, er hatte vortreffliche Helme und Schwerter schmieden lernen und blieb nun einen Winter zu Hause. Seine Kunst gefiel jedermann, und er war der geschickteste aller Schmiede in Seeland.

Sein Vater Wadi aber wollte ihn zum berühmtesten aller Kunstschmiede machen und er vernahm von zwei Zwergen, die in einem Berge wohnten, der Kallava hieß. Diese Zwerge verstanden nicht nur Wehr und Waffen zu schmieden, sondern auch allerhand Kleinode von Gold und Silber zu verfertigen, so kunstvoll wie kein anderer Mann auf Erden.

Da suchte Wadi mit seinem Sohn die Zwerge auf. Als er an den Grönasund kam, fand er keine Fähre, ihn über das Wasser zu setzen, obgleich er lange Zeit dort wartete. Er nahm daher den Knaben, setze ihn auf seine Achsen und watete durch das Wasser. Und so groß war Wadi, daß er nicht versank, obgleich das Wasser neun Ellen tief war. Er kam glücklich ans Ufer und traf die Zwerge, mit denen er das Übereinkommen schloß, sie sollten Wieland zwölf Monate zu sich nehmen und ihn in allen Kunstfertigkeiten unterrichten. Dafür sollten sie eine Mark Gold erhalten und zwar auf der Stelle.

Da die Zwerge damit einverstanden waren, so händigte er ihnen die Mark Goldes ein. Darauf setzten sie den Tag fest, an dem er seinen Sohn wieder abholen solle, und somit war der Vertrag zu beider Zufriedenheit abgeschlossen und Wadi kehrte wieder heim über den Grönasund nach Seeland. Wieland aber lernet die feinere Schmiedearbeit, und so gelehrig war, daß er jegliches schmiedete, was sie ihm vermachten. Er wurde den Zwergen so unentbehrlich, daß, als Wadi nach Jahresfrist wiederkam, sie ihn nicht fortlassen wollten. Sie baten deshalb den Riesen, daß Wieland noch zwölf weitere Monate dableiben möchte. In diesem Fall würden sie gern die Mark Goldes wieder zurückgeben, die sie als Lehrgeld genommen hatten, und ihn zugleich doppelt so viel lehren, als er seither gelernt hatte. Als er nun wieder von dannen schied, gereute es die Zwerge, daß sie den Dienst Wielands so teuer erkauft hatten.

Sie sagten deshalb dem Riesen,daß, wenn er nicht an dem festgesetzten Tage wiederkäme, sein Sohn ihnen mit Leib und Leben verfallen sei, und sie das Recht hätten, ihm das Haupt abzuschlagen. Auch mit dieser Bedingung war Wadi, der endlich heimfahren wollte, einverstanden. Er rief nun seinen Sohn zu sich und bat, ihn aus den Berg heraus zu begleiten. Auf diesem Weg redeten sie manches mit einander über die Zwerge. Als sie nun auf die freie Heide kamen, nahm Wadi sein Schwert, stieß es in einen umbuschten Sumpf, so daß nichts hervorstand als der Griff, und sprach zu seinem Sohn: "Wenn ich nicht zur bestimmten Zeit wieder komme, — und es könnte ja irgend ein Umstand es vereiteln — so nimm dies Schwert und wehre dich männlich, wenn die Zwerge dich töten wollen. Ich wünsche nicht, daß unsere Sippe sagte, ich hätte keinen Sohn, sondern eine Magd auferzogen. Doch ich hoffe sicher, daß ich an dem verabredeten Tage eintreffe." Hierauf schieden sie, und Wadi fuhr heim zu seinen Höfen. Wieland aber ging wieder in den Berg und lernte eifriger und besser wie zuvor, und ehe seine Zeit um war, verstand er die ganze Kunst der Zwerge aus dem Grund. Er diente ihnen treu und fleißig, und die Zwerge deuchte sein dienst gut, aber sie waren auf seine Geschicklichkeit neidisch und sie dachten, daß er sich derselben nicht lange rühmen solle, weil sie sein Leben zum Pfand hatten.

Als die zwölf Monate ihrem Ende nahten, beschloß Wadi wegzufahren, weil der Weg weit war, und er ja nicht nach dem festgesetzten Tage kommen wollte. Er zog von Hause weg, wanderte Tag und Nacht ohne Unterbrechung und kam auf diese Weise drei Tage zu früh an. Der Berg war noch verschlossen und wurde trotz seines Rufens nicht geöffnet. Er legte sich nun im Moose nieder und wollte warten, bis der Berg aufgeschlossen würde. Aber von der anstrengenden Fahrt war es sehr müde geworden. Er schlief ein und schlief sehr fest in Wind und Wetter und schnarchte so, daß man es weithin hören konnte. Plötzlich entstand ein arger Regen, daß es ein Wunder schien, aber er schnarchte weiter, da er kein Weichling und an die Unbilde des Wetters gewöhnt war. Nun kam noch ein großes Erdbeben dazu, oben aus dem Berg löste sich ein mächtiger Felsblock und stürzte mit Wasser und Holz und Geröll herab auf Wadis Haupt, und so mußte er sein Leben lassen.

Am festgesetzten Tage schlossen die Zwerge den Berg auf und sahen, ob Wadi gekommen wäre, seinen Sohn abzuholen. Er erschien aber nicht, da ging Wieland hinaus, schaute sich um nach seinem Vater und erblickte ihn nirgends. Er ging rings um den Berg herum und fand bald die Stelle, wo der Felsen herabgestürzt war, und entdeckte, daß derselbe seinen Vater erschlagen haben müsse. Es kam ihm in den Sinn, daß die heimtückischen Zwerge das Erdbeben veranlaßt haben könnten, doch er sah, daß hier nicht laut von Rache gesprochen werden könne. Er erinnerte sich aber an das, was sein Vater ihm geraten hatte, ehe sie schieden. Er schritt deshalb zu dem buschigen Sumpf, in dem Wadi das Schwert verborgen hatte, aber dasselbe war gänzlich verschwunden. Da deuchte ihm, daß seine Sache schlimm stünde, denn sein Vater war tot und er jetzt schutzlos den wilden Zwergen preisgegeben. Plötzlich gewahrte er den Knopf des Schwertknaufes aus dem Boden hervorragen, und ward wieder frohgemut. Er riß das Schwert heraus, sah es an und sprach: "Hei, du gutes Schwert, was brauch' ich jetzt noch Schlimmes für mich zu fürchten!"

Er schritt zurück und sah, wie die Zwerge auf dem Berge standen und Umschau hielten. Rasch ging er auf den Berg, schritt, das Schwert unter dem Rockschoß verbergend, auf den Zwerg zu, der ihm am nächsten stand, und hieb ihm den Todesstreich und gleichso machte er es mit den andern, obgleich dieser fliehen wollte.

Hierauf ging Wieland in den Berg hinein, nahm all das Werkzeug, das Gold und Silber, das er mitführen konnte, und belud ein Roß mit dem Gold und den Kleinoden, er selbst nahm noch einen großen Pack, so schwer er ihn nur zu tragen vermochte.

Mit seiner Beute wandte er sich nordwärts nach Dänemark und wanderte Tag und Nacht. Als er drei Tage und drei Nächte gewandert war, kam er an den breiten und tiefen Strom Wisara und konnte nicht hinüber. Da ein großer, wildreicher Wald an dem Strom stand, so blieb er dort einige Zeit und entdeckte bald, daß es nicht weit bis zur See war. Er begab sich rasch an das mit Bäumen besetzte Stromufer und fällte einen starken Baum zu Erde. Darauf hieb er den Stamm entzwei, höhlte ihn aus und in dem dünneren Ende, daß zu den Zweigen hinlief, barg er sein Werkzeug und die Kleinode, in dem starken Teil aber, der Wurzel zu, brachte er seine Speisevorräte unter und für sich selber machte er einen Raum in der Mitte und verschloß alles so dicht und fest, daß das Wasser ihm auf seine Weise schaden konnte. Vor die Löcher setzte er Glas und richtete es so trefflich ein, daß er es wegnehmen konnte, sobald er wollte. Wenn aber das Glas davor war, blieb der Stamm so fest verschlossen, als ob er ganz gewesen wäre, und es konnte kein Tropfen Wasser eindringen.

Der Baum lag ganz nahe dem Strom mit all dem Gut und den Werkzeugen, er setzte sich darein und schob denselben so, daß er sich mit ihm hinaus in den Strom wälzte. Von da aus trieb der Stamm weiter in die hohe See, und achtzehn Tage und Nächte trieb er, bis er wieder ans Land kam.

Damals lebte ein König Namens Nidung, welcher über Jütland herrschte. Eines Tages fuhren des Königs Leute mit Netzen auf die See, um für die Tafel Fische zu fangen. Sie warfen die Netze und zogen sie ans Land und da war das Strandnetz so schwer, daß sie es kaum emporziehen konnten. Als sie nun nachsahen, da gewahrten sie, daß ein sonderbarer wundergroßer Baum hineingeraten war. Sie zogen der Fang ans Land und fanden, daß der Baum vorzüglich behauen war, weshalb sie ihn für einen Schatzbehälter hielten. Darauf sandten sie einen Mann zum König und baten ihn, er möge der Fund besichtigen. Als Nidung den Baum sah, gebot er, ihn zu untersuchen und zu erforschen, was darin wäre, weshalb sie mit Beilen in den Baum hieben.

Als Wieland ihr Beginnen merkte, rief er ihnen zu und bat sie einzuhalten, weil ein Mensch in dem Stamme sei. Da sie die Stimme hörten, dachten sie, daß der böse Feind in dem Baum sei, sie erschraken gewaltig und liefen insgesamt davon. Da schloß Wieland den Stamm auf, trat vor Nidung und sprach: "Ich bin ein Mensch, o Herr, und kein Gespenst und ich möchte Euch sehr bitten, daß Ihr mir Frieden gebet, des Lebens sowohl wie des Gutes."

Nidung sah, daß ein ausnehmend schöner Mensch und kein Kobold oder Schrat vor ihm erschien, und obwohl er auf geheimnisvolle, unheimliche Weise ins Land gekommen war, gab er ihm doch Frieden für Leib und Gut.

Als der König sich wieder entfernt hatte, nahm Wieland sein Werkzeug und Gut und vergrub es unter die Erde samt dem Stamm. Niemand gewahrte das, als ein Ritter des Königs, Namens Regin, der als Späher zurückgeblieben war.

Wieland weilte nun am Hofe Nidungs und war wohl gelitten, weil er sich als ein gewandter, höflicher und dienstfertiger Mann erzeigte. Sein Dienst aber bestand darin, daß er drei Messer verwaltete, welche auf des Königs Tisch lagen, wenn er speiste. Als er sich dort zwölf Monate aufgehalten hatte, geschah es, daß er an die See ging, um des Königs Messer zu waschen und zu reinigen. Da fiel ihm das beste Messer aus der Hand hinunter ins Meer, wo es so tief war, daß er jede Hoffnung aufgeben mußte, es wieder zu finden. Bekümmert ging Wieland heim, voll schwerer Gedanken wegen des verlorenen Messers. "Wehe mir," sprach er bei sich, "ich bin bei einem guten König, der mir einen geringen Dienst übertrug, und es war zu erwarten, daß er mir, wenn ich das Geringere wohl hütete, auch größeres anvertraut hätte. Nun aber habe ich des leichten Dienstes schlecht gewaltet, und jedermann wird mich einen ungeschickten Toren nennen."

In der Burg Nidung's war ein Schmied Namens Amilias, der schmiedete dem König alles, was zu schmieden war. Zu dessen Werkstätte ging Wieland, aber er fand niemand dort, denn Amilias war mit seinen Gesellen zum Essen gegangen. Wieland stellte sich nun an den Amboß und schmiedete ein Messer, das dem von ihm verlorenen völlig glich, und machte darauf ein Nagel mit drei Knoten und ließ ihn auf dem Amboß liegen, das Messer aber nahm er mit sich. Und all dieses hatte Wieland vollendet, ehe Amilias mit den Gesellen wieder zurück kam und bevor der König wieder zu Tische ging.

Als Amilias in die Schmiede kam und den Nagel fand, frug er, wer ihn geschmiedet habe, aber niemand wußte es zu sagen. Inzwischen war Wieland zur Halle gegangen, stand vor des Königs Tisch wie zuvor und tat, als ob nichts vorgefallen wäre. Der König nahm das vor ihm liegende Messer, schnitt ein Semmelbrot entzwei und dabei schnitt er tief in den Tisch hinein. Da wunderte sich der König sehr, wie die Klinge plötzlich so scharf geworden war, und fragte Wieland: "Wer hat wohl dieses Messer gemacht?" Wieland antwortete: "Wer anders wird das getan haben, als Euer Schmied Amilias, der alle Eure Messer und alles, was Ihr schmieden lasset, gemacht hat."

Da ließ der König den Amilias holen, und dieser bestätigte es, indem er sprach: "Herr, ich habe dieses Messer gemacht, wie alle anderen hier, Ihr habet ja keinen anderen Schmied als mich." "Niemals sah ich eine so scharfe Klinge aus deinen Händen kommen," entgegnete der König, "du schmiedetest dieses Messer keinenfalls!" er sah mit forschendem Blicke auf Wieland und frug: "Sag an, hast du das Messer gemacht?" Da zauderte Wieland mir der Antwort und sprach endlich: "Es wird so sein, Herr, wie Amilias sagt." "Wenn du nicht die Wahrheit sagst," drohte ihm der König, "so hast du meinen Zorn." "Eurem Zorn will ich nicht haben, Herr," entgegnete Wieland, "wenn ich es vermieden kann." Und er kündete darauf, wie er das Messer verloren und dafür ein anderes gemacht habe. "Ich dachte mir wohl," sprach der König, "daß Amilias dieses Messer nicht geschmiedet habe, nimmer besaß ich zuvor eine solche scharfe Klinge als diese ist." Amilias vermochte nicht zu schweigen. "Es ist möglich," sprach er, "daß Wieland dieses Messer geschmiedet hat, das so gut sein soll, aber ich kann nicht zugeben, daß mein Geschmiede geringer sei. Ich will zuvor unser beider Geschicklichkeit prüfen, ehe ich mich den ungeschickteren nennen lasse."

"Geringes nur verstehe ich," entgegnete Wieland, "aber das, was ich kann, verberge ich nicht. Mach du ein Stück, ich will ein andres machen, dann kann man beurteilen, welches das bessere ist." "Es sei so," rief Amilias, "darauf laß uns wetten." "Ich habe wenig Hab und Gut," entgegnete Wieland, "aber ich will dennoch gern daran setzen, was ich vermag, wenn es dir gut scheint."

"Wenn du kein Hab und Gut hast, " rief Amilias "so setze dein Haupt daran, und ich setze das meine dagegen. Der aber, welcher der geschicktere ist, soll das Haupt des andern abhauen." "Es sei so, " sprach Wieland, "aber sag an, was willst du schmieden und wie können wir es prüfen?" "Du kannst ein Schwert machen," rief Amilias, so gut du es vermagst, ich aber will Helm und Panzer fertigen. Wenn nun dein Schwert mein Geschmiede zerschneidet, so daß du mich zu verwunden vermagst, so gehört dir mein Haupt. Wenn deine Klinge das aber nicht vermag, so zweifle nicht daran, daß ich das deine mir hole."

"Das will ich gern eingehen, " rief Wieland, "nimm dein Wort nicht zurück und halte, was du sagst." "Ich will einen Bürgen für mich stellen," sprach Amilias, "daß ich mein Wort nicht breche." Alsbald waren hiezu die zwei besten Ritter aus des Königs Gefolge bereit.

"Wo sind nun deine Bürgen?" fragte höhnisch Amilias. "Ich weiß nicht wer für mich bürgen soll," sprach Wieland, "da ich hier unbekannt bin, und keiner weiß, was ich leisten kann." Niemand mochte für Wieland eintreten, bis endlich der König, der an dem ausnehmend gut und künstlich gefügten Stamm, in dem Wieland ans Land geschwommen war, dachte, also sprach: "Ich selbst will für dich bürgen, denn alles, was du gefertigt hast, ist wohl und gut gemacht."

Also war der König für Wieland, und die beiden Ritter für Amilias Bürgen, und das binnen Jahresfrist zu erfüllende Handgelöbnis war demgemäß wohl befestigt. Amilias ging nun an demselben Tag mit seinen Gesellen zur Schmiede und begann mit der Arbeit, die er die ganze Zeit hindurch Tag für Tag fortsetze. Wieland aber diente jeden Tag an des Königs Tisch und tat, als ob gar nichts vereinbart wäre. Auf diese Weise ging die Hälfte des Jahres vorüber.

Nun geschah es eines Tages, daß der König sich erkundigte, wie Wieland seine Wette lösen oder wann er mit dem Schmieden beginnen wolle. "Sobald Ihr mich dazu ratet, Herr," entgegnete Wieland untertätig, "aber ich möchte Euch höflich bitten, daß Ihr mir eine Schmiede bauen lasset, worin ich ungestört arbeiten kann." Seiner Bitte wurde sogleich entsprochen und ihm eine Schmiede samt Geräte fertig gestellt.

Als nun das Haus fertig war, ging Wieland an den Ort, wo er sein Gut und sein Werkzeug verborgen hatte. Da war die Stätte aufgewühlt, der Stamm aufgebrochen und der ganze Inhalt desselben weggenommen. Da gefiel dem armen Wieland übel, und er dachte nach, wer wohl der Räuber sein könnte. Plötzlich fiel ihm ein, daß ein Ritter damals zugesehen hatte, als er den Stamm vergrub. Niemand anders, als dieser konnte der Täter sein, aber er wußte den Namen des Ritters nicht. Da ging er zu dem König und berichtete diesem die ganze Begebenheit.

Der König war sehr ärgerlich über die Sache und fragte, ob Wieland den mann wohl wieder erkennen werde.

"Erkennen würde ich ihn sicherlich," entgegnete Wieland, "wenn ich auch seinen Namen nicht weiß." Da ließ der König ein Thing berufen und gebot jedem Mann in seinem Reich, hier zu kommen. Keiner von allen wußte, was dieses bedeute, aber sie kamen trotzdem insgesamt zur Versammlung an dem bestimmten Tag. Als nun die Männer beisammen waren, da beschaute Wieland jeden einzelnen, um den Dieb herauszufinden. Er konnte ihn aber nicht entdecken und sagte dies dem König.

Nidung geriet darüber in große Unmut und schalt ihn schwer. "Du besitzest viel weniger Verstand als ich glaubte," rief er laut, "in Fesseln sollte ich dich werfen, da du meiner so schlimm gespottet hast. Deinetwegen berief ich das Thing, alle Männer meines Reiches sind gekommen und derjenige, der dir dein Gut und Werkzeug genommen haben soll, muß also dabei sein, aber du erkennst ihn nicht, du kurzsichtiger Tor!" Erzürnt ging der König vom Platz und alles andere Volk mit ihm. Wieland aber stand in Trauer allein, ihn deuchte es gar übel, Gut und Werkzeug verloren und dafür den Zorn und die Ungnade des Königs Nidung empfangen zu haben.

Er besann sich, wie er aus dieser schlimmen Lage herauskommen könne, und fing es folgendermaßen an: Er begab sich in seine Werkstatt, schmiedete eifrig und bildete eine Gestalt einem Ritter so ähnlich an Aussehen wie nur möglich. Eines Tages nahm er das Kunstwerk und setzte es in eine Ecke, an welcher der König vorbei mußte, wenn er schlafen ging. Eifrig diente er dem König diesen ganzen Tag wie die andern Hofleute. Am Abend wollte Nidung zur Kammer gehen, und Wieland trug die Fackel. Plötzlich stand stand der König still und sprach: "Heil dir und willkommen, Freund Regin! Wann kamst du und wie erging es dir mit den Geschäften, wegen deren ich dich entsandte?" Die Gestalt in der Ecke blieb stumm, Wieland aber sprach: "Herr, dieser Ritter wird ewig stumm bleiben und Euch nichts antworten. Ich machte dieses Bild nach meinem Gedächtnis. Also sieht der Mann aus, den ich für den Meintäter halt."

"Allerdings konntest di diesen Mann nicht hier finden," sprach der König, "denn ich entsandte ihn nach Schweden in wichtigen Geschäften, aber du bist fürwahr ein geschickter und kunstreicher Mann und keineswegs ein Tot, sondern besonders klug und weise. Wenn Regin dich beraubt hat, so verschaffe ich dir dein Eigentum wieder und ich will die Schelte und Schmach, die ich dir angedeihen ließ, wieder gut machen."

Bald darauf kehrte Regin heim, und der König fragte ihn sofort um die Sache. Da gestand er es ein und sagte, er habe es nur aus Scherz getan. Auf diese Weise erhielt Wieland sein Eigentum wieder. Er war darüber sehr froh und diente dem König mit ganz besonderer Sorgfalt, und damit gingen wieder vier Monate hin.

Als nun die für die Wette festgesetzte Zeit ihrem Ende nähte, fragte der König endlich, warum er denn eigentlich gar nicht an die versprochene Arbeit gehe. "Sogleich will ich schmieden," entgegnete Wieland,"wenn es Euch gut scheint, und Ihr es mir ratet." "Es liegt dir schweres auf," entgegnete Nidung, "denn du hast es mit einem geschickten, aber bösen Manne zu tun. Geh darum zur Schmiede und beginn das Werk!"

Alsbald ging Wieland zur Werkstatt, schmiedete und machte ein Schwert in der Frist von sieben Tagen. Am siebten Tage kam der König selbst zu ihm, und Wieland zeigte ihm das Schwert, über dessen schärfe sich Nidung höchlich wunderte. Er glaubte nimmer ein besseres und schöneres gesehen zu haben. Wieland aber bat den König, mit ihm an den Strom zu gehen. Dort nahm er eine Wollflocke, einen Fuß dick, warf sie ins Wasser, damit sie mit dem Strom treibe, setzte die schneidende Klinge in den Fluß, wendete sie gegen die im Strom treibende Wolle, und siehe da, das Schwert zerschnitt die Flocke.

"Das ist ein gutes Schwert," sprach der König, "das will ich selbst tragen." "Geduldet Euch, Herr," entgegnete Wieland, "es soll noch viel besser werden." Der König ging nun vergnügt zur Halle zurück, Wieland schritt zur Schmiede, nahm eine Feile und zerfeilte das ganze Schwert zu Spänen. Diese nahm er, mischte sie mit Weizenmehl und gab es Gänsen als Futter, die er drei Tage lang nichts hatte fressen lassen. Dann nahm er den Vogelkot, schmolz ihn in der Esse, und schied so aus dem Eisen alles Ungehärtete. Daraus machte er ein Schwert, kleiner aber schärfer als das vorige.

Sobald Nidung das Schwert in Wielands Schmiede sah, wollte er es mit sich nehmen, da man, wie er meinte, in der Tat kein köstlicheres Kleinod gewinnen könne als dieses Gewaffen.

"Dies Schwert ist zu loben," sprach Wieland, "aber wir wollen es prüfen, denn es soll das beste Gewaffen der Welt werden." Sie gingen nun miteinander zum Fluß. Wieland warf ein zwei Fuß dicke Wollflocke vor das Schwert und die Klinge schnitt die Flocke mitten entzwei. "Nimmer wird man ein besseres Schwert finden auf der Männererde," sprach der König, aber Wieland sagte daß er es noch schärfer und härter machen wolle. Dies gefiel dem Herrn wohl, und er ließ Wieland mit Vergnügen zur Schmiede gehen und die Waffe nochmals in der bisherigen Weise umschmieden.

Als nun drei Wochen vorüber waren, hatte Wieland ein Schwert gefertigt, das einen prächtigen Griff hatte und dessen Klinge mit Gold eingelegt und poliert war. Wiederum schritt er mit dem König zum Strom, er hatte eine drei Fuß dicke Wollflocke zur Hand, die er in den Strom warf und das Schwert ruhig dagegen hielt, und die Klinge zerschnitt die Flocke so leicht, wie das Wasser des Stromes.

Da sprach Nidung bewundernd: "Wenn man auch durch die ganze Welt suchte, würde man kein so gutes und schönes Schwert wie dieses finden. Dies Schwert will ich führen, wenn ich mit meinen feinden zusammen komme."

"Dieses Schwert soll niemand besitzen, als Ihr, Herr König," sprach Wieland, "aber zuvor will ich es mit Scheide und Gehänge ausrüsten, damit es eine würdige Königswaffe sei."

Nidung war ganz damit einverstanden, und Wieland ging nun zur Schmiede und machte noch ein zweites Schwert, das dem ersten so ähnlich war, daß es niemand unterscheiden konnte. Das erste sorgfältiger geschmiedete aber versteckte er unter die Schmiedebälge und sprach: "Mimung nenne ich dich, meinem ersten Meister zu Ehren! Liege du hier in Ruhe, wer weiß, ob ich deiner nicht einmal bedarf!"

Wieland hatte nun sein Werk vollendet und ging jeden Tag zu des Königs Tisch und diente ihm in gewohnter Weise bi zu dem festgesetzten Tag. Als dieser gekommen war, nahm Amilias schon in aller Frühe seine Eisenhosen, spannte sie um, ging hinaus auf den Markt und zeigte sich darin. Da bewunderten alle die vortreffliche, ausnehmend gut geschmiedete Rüstung und rühmten den fleißigen und geschickten Schmied. Als nun das Frühstück kam, stülpte er sich die Brünne über; die war weit und lang und zweifach gearbeitet. Stolz ging er so zu des Königs Halle, und alle meinten, dies sei die stärkste und beste Brünne, die sie jemals gesehen hätten. Als er nun vor den Tisch kam, setzte er auch noch den Helm auf das Haupt, der war fein poliert, wunderstark und hart, und dem König gefielen diese Waffen wohl.

Nachdem das Mahl beendet war, ging Amilias mit Wieland und dem König hinaus auf einen Platz, wo ein Stuhl stand. Auf diesen setzte sich der Schmied und sagte, daß er bereit sei, die Wette auszumachen. Wieland schritt schweigend zu seiner Schmiede, holte das Schwert Mimung und kam mit der haarscharfgeschliffenen, harten Klinge wieder. Er trat hierauf hinter den Stuhl und setzte die Schärfe des Schwertes auf den schweren Helm des Amilias, dessen Spange wie Talg zerschnitten wurde, indem er zugleich fragte, ob er etwas spüre. Da rief Amilias siegesstolz: "Hau zu mit aller Kraft, du wirst s nötig haben!" Jetzt drückte Wieland kräftig mit dem Schwerte, daß es durch Helm, Haupt und Brünne hindurchfuhr bis auf die Gürtelschnalle.

"Was ist das?" frug Amilias. "Mir ist, als ob kaltes Wasser durch meinen Leib flösse." "Schüttle dich," rief Wieland. Amilias wollte es tun, aber es fiel dabei in zwei Stücken vom Stuhl und war tot. Staunend sahen es die Männer, und mancher sprach: "Stets, wenn der Hochmut sich am höchsten hebt, kommt der schnellste Fall."

Jetzt begehrte der König das Schwert von Wieland, damit er von nun an die gute Waffe trage. "Laßt mich erst die Scheide und das Gehänge holen, Herr," entgegnete Wieland, "dann will ich Euch alles zusammen übergeben."

Der König war damit einverstanden, Wieland aber warf in der Werkstatt den Mimung unter die Schmiedebälge, steckte dafür das andre Schwert in die Scheide und brachte es dem König. Der König nahm es mit großem Dank und glaubte sicher, das wunderscharfe Schwert zu besitzen, das er für das größte Kleinod der Welt hielt. Wieland kam nun zu hohen Ehren. Er schmiedete dem König allerlei Kleinode aus Gold, Silber und Erz, und so berühmt wurde er in den Nordlanden, daß man von einem Schmied, der besser als andere zu schmieden verstand, sagte: Er wäre ein Wieland an Kunst und Geschick.

Eines Tages saß Nidung bei Tisch , da kamen Boten vor den König und berichteten, daß ein großes Wikinger Heer in sein Reich eingefallen wäre, das überall Schaden anrichte. Nidung versammelte sofort sein Kriegsvolk und rückte den Einbrechern entgegen, wobei er fünf Tagesreisen mußte, bis er sie traf. Als sich die beiden Heere so weit genähert hatten, daß nur noch eine Tagesreise zwischen ihnen war und demnach zu erwarten stand, daß es bald zur Schlacht kommen werde, fiel dem König Nidung plötzlich ein, daß sein Siegstein zu hause liegen geblieben war. Es besaßen in jener Zeit etliche Könige einen solchen Stein, der die Eigenschaft hatte, daß derjenige, der ihn bei sich trug, den Sieg gewann. Es ist aber nicht sicher, ob solches von der Eigenschaft des Steines kam, oder ob es das Vertrauen war, das der Träger zu dem Stein hatte. Wie dem auch sei, dem König Nidung deuchte es sehr schlimm, daß sein Siegstein nicht in seinem Besitz war, und er ließ seine getreuesten Freunde und Helden zusammenrufen und sagte, daß er demjenigen die Hälfte seines Reiches und die Hand seiner Tochter Badhild geben würde, der ihm dem Stein brächte, bevor die Schlacht vor sich ginge. Er machte dieses Anerbieten den edelsten und vornehmsten seiner Kampfgenossen, und endlich, da sich's keiner getraute, auch seinem Schmied Wieland. Da sprach Wieland: "Herr König, auf Euren Wunsch hin will ich reiten, wenn Ihr das halten wollet, was Ihr verheißen habt." Da entgegnete Nidung feierlich: "Wir wollen und werden alles wohl vollbringen, wie wir es gelobt haben."

Auf dieses hin ritt Wieland auf seinen Hengst Schemming, der so schnell war wie ein Vogel der Lüfte. Er ritt ohne Rast über Berg und Tal und kam in dem einen Tag und der Nacht so weit, als das Heer des Königs in fünf Tagen. Um Mitternacht gelangte er zur Burg des Königs und holte das Siegstein.

Er ließ sein Roß nur kurze Zeit rasten und ritt dann den ganzen Weg zurück. Schemming flog wie ein Falke, und Wieland erblickte, als die Sonne am östlichen Himmel emporstieg, wiederum die Heerzelte des Königs. Er ließ sein flinkes Roß nun langsam gehen, damit es allmählich wieder zu Atem komme.

Eben kamen aus dem Lager sieben Männer geritten, die auf den einsamen Wieland zusprengten. Es war der Truchfeß: "Fürwahr, du bist ein bewunderungswürdiger Mann, das du jegliches vollbringen kannst, was du nur willst. Du hast sicherlich den Siegstein bei dir?" Wieland erwiderte: "Ich habe meinen Dienst besorgt, so gut ich nur konnte, und hoffe den rechten Stein bei mir zu haben." "Gib mir den Siegstein," sprach der Truchfeß, "ich kenne ihn und will ihn dem König bringen, ich werde dir Gold und Silber dafür geben, so viel du nur willst."

"Du hättest ja den Stein selbst holen können," entgegnete Wieland. "Ich glaube kaum, daß der Stein aus meiner Hand kommt, und es deucht mich nicht fein, daß du ein derartiges Verlangen an mich stellst." Da rief der der Truchfeß zornig: "Wähnst du den, du Tor, der König werde dir, einem Schmied und hergelaufenen Mann, seine Tochter geben, um die sich die jungen Männer aus den besten Geschlechtern vergeblich bewerben. Aber du wirst jetzt den Stein oder dein Leben hergeben!" — — "haut zu, ihr Mannen," rief er, da Wieland schwieg, den Genossen zu, die sogleich die Schwerter zogen und auf den Schmied eindrangen. Dieser aber hatte wie ein Blitz sein gutes Schwert Mimung gezogen und spaltete mit einem Streich Helm und Haupt des Truchfessen, daß er tot vom Rosse sank. Dem nächsten Gegner hieb er in den Hals, daß das Haupt hinaus ins Feld flog, und die übrigen fünf flohen als sie dies sahen, entsetzt zurück.

Langsam ritt Wieland nach und kam, nachdem er sich von Staub und Blut gereinigt hatte, zu Nidung, dem er den Siegstein übergab. Der König empfing ihn wohl und fragte ihn um den Verlauf der Fahrt. Da erzählte Wieland das ganze Abenteuer und daß er den arglistigen Truchfeßerschlagen habe.

Darob war der König sehr zornig und sprach: "Wehe dir! du hast meinen besten und treuesten Dienstmann erschlagen! Zeuch augenblicklich weg von hier und komm nimmer vor meine Augen, sonst laß ich dich hängen wie ein Dieb!"

Wieland ward rot wie Blut und rief laut: "Solches schlimme Wort sprich du gegen mich, König Nibung, weil du willst, das unser Vertrag hinfällig werde! Dich reut dein gegebenes Wort, aber deine Untreue wird dir schlimme Früchte tragen!" Er schied mit finsterem Antlitz aus dem Königszelt, sprang auf seinen Hengst Schemming und ritt davon, niemand wußte wohin.

König Nidung aber ließ das Heerhorn blasen und kämpfte noch am gleichen Tage gegen die Wikinger, denen er eine große Niederlage beibrachte. Er reinigte und friedete das Land und fuhr heim mit großen Ehren, denn er kam als Sieger zurück und hatte alles wohl vollbracht. Von Wieland aber war keine Rede noch Kunde.

Wieland besaß zwei Brüder: Eigil und Slagfider, die hausten in einer von andern Menschen unbewohnten Wildnis, das Wolfstal genannt. Dort hatten sie sich zwei Hütten gebaut, und Wieland, der sich dorthin begeben, errichtete nun für sich in der Nähe eine dritte. Alle drei ernährten sich vom Fischfang und der Jagd. Eines Morgens, als sie wiederum ausgezogen waren, hörten sie am Seeufer weibliche Stimmen und schlichen leise näher. Da sahen sie drei Jungfrauen am Ufer sitzen, die Flachs spannen und fröhlich miteinander lachten und scherzten. Es waren Walküren, denn neben ihnen lagen ihre Schwanenhemden, die sie abgelegt hatten.

Mit unhörbaren Schritten schlichen die Brüder näher, ergriffen die Schwanenhemden und verbargen sie unter Laub und Moos in einem hohlen Stein. Auf dieser Weise war den Walküren das Entfliegen unmöglich gemacht und sie mußten bei den drei Brüdern bleiben, die sich mit ihnen vermählten.

Eigil wählte sich Ölrum, Slagfider Swanwit und Wieland Alwit zur Hausfrau. Sieben Winter lebten sie friedlich beisammen, im achten aber geschah es, daß die Frauen, während ihre Männer im Wald auf der Jagd waren, durch einen Zufall die Höhle entdeckten, in der die Schwanenhemden verborgen waren. Eine große Aufregung bemächtigte sich ihrer, sie konnten nicht widerstehen, sie legten die Hemden an und flogen davon.

Als die drei wegemüden Jäger vom Walde zurückkehrten, fanden sie die Hütte leer. Vergeblich gingen sie aus und ein und sahen sich überall um, die Entflohenen waren nirgends zu finden. Da schritt Eigil gegen Osten, um Ölrun zu suchen, und Slagfider wandte sich südwärts, um nach Swanwit zu sehen. Nur Wieland blieb einsam im Wolfstal zurück und harrte getreulich, ob die geliebte, schmerzlich vermißte Alwit nicht wieder käme.

Bekümmert sah er so manchen Tag und schmiedete rotes Gold, das er noch von den Zwergen her besaß, am Amboß zu Ringen, jeden Tag, damit er wisse, wie viel Tage Alwit von ihm geschieden sei. Sie hatte ihn nämlich dereinst einen Goldring als Pfand der Treue und die Zusicherung gegeben, daß dieser Zauberring sie stets zu ihm zurückziehen werde. Diesen hing er an Lindenbast auf und fügte nun jeden Abend einen neu geschmiedeten, ganz ähnlichen Ring dazu, so daß es allmählich eine ganze Kette von Goldringen wurde.

Da kam zu König Nidungs Ohr die Kunde, daß Wieland einsam im Wolfstal in der waldschmiede sitze und eine Menge Goldes bei sich habe. Alsbald ritt er in einer mondhellen Nacht mit einer Schar Gewappneter hin. Ihre Helme blinkten in der Mondsichel. Schweigend ritten sie, stiegen vor dem Tor leise ab und gingen zur Schmiede. Sie fanden den eben im Wald birschenden Wieland nicht, aber sie gewahrten die lichten Goldringe, siebenhundert an der Zahl an dem Lindenbast und knüpften die Schnur auf. Einen der Ringe nahm Nidung und steckte ihn zu sich. Darauf verbarg er sich mit den Seinen in der Nähe und erwartete den Schmied. Wieland kam, müde von der anstrengenden Jagd, er schritt zum Feuer, in das er dürre Föhrenscheiter warf, und briet das Fleisch des Bären, den er erlegt hatte. Während der Braten am Feuer hing, zählte er die Ringe und vermißte einen. Da ward er froh im Herzen, denn er dachte, die holde Alwit sei zurückgekehrt und hätte, um ihn zu überraschen, sich verborgen, nachdem sie den Ring geholt.

Fröhlich legte er zum Schlummer nieder, aber traurig erwachte er, denn er spürte Fesseln an Händen und Füßen. "Wer sind die Räuber," rief er, "die dem friedlichen Mann fesseln anlegten und mich im Schlaf banden?" Da trat Nidung hervor uns sprach: "Ich bin es, dein Herr. Diesen Goldring nahm ich von der Schnur, weil ich ihn für mein Eigentum halte. Woher hast du das Gold, aus dem du so viele Ringe geschmiedet hast im Wolfstale?"

"Hier war kein Gold zu finden," entgegnete Wieland; "fern ist dieses Land der Bergen des Rheins! Als wir einst Hausgenossen waren, besaß ich mehr Schätze."

Er verweigerte trotzig jede Auskunft über das Gold, Nidung aber führte ihn gefangen mit sich und setzte ihn auf die kleine Insel Söversted, wo er ihm in einer Hütte eine Schmiede einrichtete.

Wieland sann auf Rache, denn Nidung hatte ihm nicht nur den Goldring genommen und ihn seiner Tochter Badhild gegeben, sondern auch das scharfe Schwert Mimung, das durch Erz und Eisen schnitt. Er machte sich unkenntlich und schlich heimlich in Nidungs Burg, wo er von niemand erkannt wurde. Er ging in die Küche und gab sich für einen fremden Koch aus. Er wurde eingestellt und half den andern Köchen. Dabei mischte er einen Liebeszauber in die für Badhild bestimmte Speise. Nun hatte die Jungfrau ein Messer, das von Zwergen geschmiedet war und das erklang, wenn man mit ihm eine Speise zerschnitt, in die Gift oder sonst ein Zauber gemischt war.

Als Badhild die von Wieland bereitete Speise zerschnitt, erklang das Messer, und die argwöhnische Jungfrau sagte es ihrem Vater. Dieser gebot, augenblicklich nach dem Koch zu forschen und ihn in die Halle zu führen, und da wurde Wieland entdeckt. Der König sprach zu ihm: "Schlimm hast du gegen mich und mein Kind gehandelt, und das soll dir vergolten werden, doch sollst du nicht das Leben verlieren, obgleich du Übles im Schilde führest. Ich will dich nach dem Rat meiner Frau bestrafen und dich unschädlich machen."

Er winkte seinen Knechten, die den Waffenlosen niederwarfen und banden. Hierauf zerschnitten sie ihm die Sehnen an den Knien und Füßen. Den Stöhnenden ließ der König wieder zurück in die Schmiede tragen. Dort lag Wieland viele Wochen in Not und Pein und Schwur im stillen Rache für die namenlosen Qualen, die er erdulden mußte. Als endlich die Wunden geheilt waren, kam König Nidung wiederum zu ihm und sprach:"deine Kunst will ich nicht missen, Wieland, darum bist du gelähmt worden, statt daß dir der Tod als verdiente Strafe zu teil geworden ist. Da du mir nun nimmer entfliehen kannst, so will ich, daß du mir alles schmiedest, was deine Hand vermag. Ich will dir deine Schmerzen büßen mit reichem Gut, wenn du wieder für mich schmiedest, wie ehedem."

Er gab ihm mit diesen Worten zwei Krücken, legte zugleich eine schwere Goldstange bei der Esse nieder, und Wieland schleppte sich nun wieder zu dem geliebten Amboß, den er nicht missen mochte, und schmiedete wie ehedem. Er war anscheinend mild und freundlich und schien sich in sein Geschick zu finden, aber im Innern brütete er Rache und sprach oft im Grimm zu sich selber:"Der König trägt das Schwert Mimung, das ich geschmiedet habe, des Königs Tochter trägt meinen Goldring. Ich selbst aber bin geschändet und verstümmelt für mein Lebetage. Das muß gerächt werden bei Odins Zorn!"

König Nidung hatte außer seiner Tochter drei Söhne, von denen der älteste, Otvin, fern als Schirmer an den Marken des Reiches war, die beiden andern aber noch im Knabenalter standen. Eines Tages im Winter geschah es, daß die beiden Knaben mit ihren Bogen zu Wielands Schmiede kamen und ihn baten, ihnen Pfeile zu schmieden. Wieland aber weigerte sich, weil er keine Zeit dazu habe. "Obgleich ihr des Königs Kinder seid," sprach er, "mag ich doch nichts für euch schmieden ohne Wissen und Willen eures Vaters. Wenn ihr es aber euren Vater nicht wissen lassen wollet, so müsset ihr mir etwas versprechen, was leicht zu erfüllen ist."

Sie fragten, was das wäre. "Ihr müsset," fuhr Wieland fort, "am frühen Morgen kommen, wo ich noch keine Arbeit habe. Ihr müßt einen Tag wählen, wo frischer Schnee gefallen ist, und müsset dabei rückwärts von der Halle bis zur Schmiede gehen."

Die Knaben achteten es wenig, ob sie rückwärts oder vorwärts gingen, sie kamen schon am nächsten Morgen, da in der Nacht frischer Schnee gefallen war, wieder zur Schmiede und baten Wieland, ihnen nun die Pfeile zu schmieden. Wieland stellte sich nicht säumig, er holte alles Nötige herbei und machte dabei die Türe auf und wieder auf das festeste zu. Dann ergriff ergriff er seinen Hammer und erschlug die beiden Knaben, deren Leichen er in eine tiefe Grube unter den Schmiedebälgen warf.

Als man zu Tische ging, wurde nach den Knaben gesucht, aber sie fanden sich nirgends und man vermutete, daß sie in den Wald gegangen wären, um zu jagen, oder an den Strand, um Fische zu fangen. Man kam auch zu Wieland in die Schmiede und fragte nach ihnen. Er sagte: "sie sind dagewesen, und ich machte ihnen Pfeile, weil sie mich darum baten. Am wahrscheinlichsten dünkt mir, daß sie in den Wald gegangen sind, um Vögel zu schießen." Als nun des Königs Boten heimgingen, sahen sie in dem Schnee die Fußstapfen der Knaben, die heimwärts zu der Königshalle liefen, und sagten dies dem König. Nidung ließ nun seine Söhne im Wald und am Strand suchen, aber sie fanden sich nicht, und so glaubte er schließlich, daß sie im Wald durch wilde Tiere oder am Strand durch Unvorsichtigkeit umgekommen wären, wochenlang wurde überall gesucht, aber es war alles vergeblich.

Als die Nachforschungen zu Ende waren, zog Wieland die Leichen hervor und schabte das Fleisch von den Gebeinen. Die Schädel faßte er in Gold und Silber und machte Trinkbecher daraus, aus den Schultern und Hüftknochen machte er Metschalen mit goldenem Rand, aus den andern Gebeinen fertigte er Messerhefte, Pfeifen und Kerzenstöcke für des Königs Tafel und so aus jedem Glied etwas für das Tischgerät. Der König schätzte diese überaus künstlichen Kleinode hoch, und dieselben wurden aufgesetzt, wenn Nidung hervorragende und vornehme Männer zum Gastgebot hatte.

So verging eine geraume Zeit, und nun trug es sich zu, daß Badhild, die Königstochter, mit ihren Jungfrauen in den Grasgarten gegangen war und da beim Spiel den ihr von Nidung geschenkten kostbaren Goldring zerbrach, so daß er nicht mehr zu gebrauchen war. Dies wagte sie weder ihrem Vater noch ihrer Mutter zu sagen, und sie beriet deshalb mit ihrer vertrauten Magd, wie dem Unfall wohl abzuhelfen wäre. Diese sprach: "Wieland wird den Ring sicherlich wieder herstellen."

Dieser Rat wurde ausgeführt. Die Magd ging zur Schmiede Wielands und bat ihn, ihr den Ring Badhilds auszubessern. Wieland antwortete:"Ohne des Königs Gebot darf ich keinerlei Geschmeide schmieden, wenn aber des Königs Tochter selbst zu mir kommen und mich bitten will, so will ich sehen, was sich tun läßt."

Die Magd ging heim und berichtete dies der Königstochter; diese war mit der Antwort des Schmieds nicht unzufrieden. "Das soll der Sache nicht im Wege stehen," sprach sie, "sofern Wieland dann williger an die Arbeit geht, wenn ich selbst zu ihm komme."

Badhild machte sich sofort auf den Weg zur Schmiede. Als sie nun dort war und ihm den Ring darbot, nahm Wieland denselben und vertauschte ihn mit dem echten Ring Alwits, der die Eigenschaft hatte, daß er seinen Träger in Minne zu Wieland hinzog. Den steckte ihr der kecke Schmied an den Finger, sah sie mit seinen blitzenden Augen an und sprach zu ihr: "Diesen viel schöneren Ring, nach dem ich den zerbrochenen einst gemacht habe, sollst du erhalten, wenn du mein wirst. Da vermochte die Jungfrau nicht zu widerstehen und vermählte sich heimlich mit ihm.

Als sie voneinander schieden, kamen sie überein, daß sie keinen Menschen sagen wollten, was sich zugetragen hatte, denn sie wünschten, daß der heimlich geschlossene Ehebund Geheimnis bliebe für jedermann.

Um diese Zeit kam Eigil, der Bruder Wielands, an Nidungs Hof, denn Wieland hatte ihm heimlich Botschaft zugehen lassen. Er war ein sehr gewandter Mann und der trefflichste aller Bogenschützen, den man finden konnte.

Der König nahm ihn wohl auf, und er verweilte lange Zeit am Hof. Eines Tages war die Rede von der gepriesenen Schießkunst Eigils, und der König meinte, ob er sich wohl getraue, einen Apfel von dem Haupt eines Menschen zu schießen. Eigil bejahte es. Da ließ Nidung den drei Winter alten Sohn Eigils holen und ihm einen Apfel aufs Haupt legen. Hierauf gebot er Eigil, gut zu zielen und zu schießen, damit er den Apfel sicher mit dem ersten Schuß treffe.

Eigil nahm die Pfeile, strich das Gefieder an dem einen zurecht, legte ihn auf die Sehne, zielte und durchschoß den Apfel in der Mitte, so daß ihn der Pfeil vom Haupt des Knaben riß, der unverwundet blieb.

Der König bewunderte den Schuß sehr und fragte den Schützen, warum er drei Pfeile genommen habe, da ihm doch nur mit einem zu schießen gestattet war.

"Herr, ich will Euch nicht belügen," entgegnete Eigil,"wenn ich meinen Sohn mit dem ersten Pfeil getroffen hätte, so waren Euch die beiden andern zugedacht."

Alle meinten, daß diese sehr kühn gesprochen sei, der König nahm ihm aber das kecke Wort nicht übel und schenkte ihm auch ferner seine Gunst. Von diesem Schuß wurde in allen Landen geredet, und Eigil war der gepriesenste aller Schützen und einer der angesehensten Männer in Jütland.

Zu Wieland kam Eigil häufig, Badhild aber ließ sich wenig bei ihm sehen. Da bat der Schmied seinen Bruder, daß er die Königstochter zu einer Zusammenkunft mit ihm bitten solle, und diesem Wunsche willfahrte Eigil. Die beiden kamen zusammen und sprachen unter sich über manche Dinge, und das war das Ergebnis ihrer Zwiesprache, daß Wieland keine andere Frau haben wollte als Badhild, und sie keinen anderen Mann als Wieland. Beim Scheiden sagte er ihr: "Wisse, du wirst die Mutter eines Knaben werden. Es kann nun sein, daß ich da nicht mehr hier bin und meinen Sohn nicht zu Gesicht bekomme. Du aber sollst ihm künden, daß ich ihm Waffen geschmiedet und sie dort verwahrt habe, wo das Wasser hinein und der Wind hinaus geht!" ( die Esse). Badhild merkte sich die Worte Wielands wohl und schied in tiefer Bewegung von ihm.

Als Wieland wieder mit Eigil zusammen kam, bat er ihn, ihm allerlei Federn, große und kleine, zu bringen, da er sich ein Federhemd machen wolle. Da zog Eigil in den Wald, schoß viele Raubvögel und brachte die Federn zur Schmiede. Daraus machte sich Wieland ein Flughemd, und als es fertig war, sah es aus wie das abgestreifte Gefieder eines großen Adlers oder Geiers. Eigil bewunderte das Kunstwerk gebührend, und Wieland lud ihn ein, es zu erproben. Eigil betastete das Hemd und sprach: "wie soll ich mich emporheben und fliegen und wie ich mich setzen? Wieland antwortete: "Du sollst dich gegen den Wind empor heben und erst niedrig und dann hoch fliegen, setzen aber sollst du dich mit dem Wind."

Da fuhr Eigil in das Federhemd und flog empor in die Lüfte, so flink, wie der schnellste Vogel. Als er sich aber setzen wollte, stürzte er mit dem Kopf so heftig auf den Boden, daß er schier den Hals gebrochen hätte, und ihm Hören und Sehen verging.

Als er wieder zu sich kam, sprach Wieland: "Nun sage mir, Bruder Eigil, ist das Federhemd etwas nütze?" "Wär' es so leicht, sich in dem Hemd zu setzen," sprach Eigil, "als damit zu fliegen, so wär' ich jetzt in einem andern Land, und du bekämst es nimmer wieder." "So will ich bessern, was noch mangelt," sprach Wieland und änderte einiges an dem Hemd. Dann fuhr er mit Eigils Hilfe in das Gefieder, schwang die Flügel und hob sich hoch in die Lüfte, worauf er sich auf die Zinne der Burg niedersetzte und also zu Eigil herabrief: " Ich sagte dir nicht das Rechte, als ich dir riet, dich mit dem Wind niederzulassen, denn ich vermutete, daß du das Hemd mir nimmer zurückgeben würdest, wenn du wüstest, wie gut es ist. Das kannst du dir aber merken, daß sich alle Vögel gegen den Wind emporheben und ebenso setzen. Jetzt aber will ich dir mein Vorhaben sagen; ich will nun in meinem Flügelhemd heimziehen, zuvor aber möchte ich noch mit König Nidung ein Wörtlein reden. Wenn ich aber hierbei etwas sage, was dem König nicht gefällt, und er dich zwänge, nach mir zu schießen, so ziele da unter meinem linken Arm, darunter habe ich eine mit Blut gefüllte Blase gebunden. Dorthin magst du mit deinem Pfeil zielen, damit du deinem leiblichen Bruder keinen Schaden an seinem Leben zufügst."

Hierauf flog Wieland auf den höchsten Turm in der Königsburg und rief dem König zu, als er mit seinem Gefolge zur Halle schritt.

Als Nidung den geflügelten Schmied erblickte, frug er erstaunt: "Wie! bist du denn ein Vogel, Wieland? Manches Wunder schaffst du fürwahr!" "Herr," entgegnete Wieland, "bald bin ich ein Vogel und bald ein Mensch, aber jetzt gedenke ich von hinnen zu ziehen, und nimmer sollst du mich in deine Gewalt bekommen, so lange du lebst. Vernimm, was ich dir zum Abschied künde! Du gelobtest mir dereinst, mir deine Tochter und die Hälfte deines Reiches zu geben. Aber du machtest mich statt dessen landesflüchtig, weil ich mich wehrte und den Meintäter erschlug, der mich töten wollte."

"Du überfielst mich darauf, während ich schlief, und stahlst mir meine Waffen und meine Schätze. Und nicht hattest du genug damit, du ließest mir die Sehnen an meinen Füßen zerschneiden und machtest mich zum Krüppel. Ich aber blieb dessen eingedenk, obgleich ich ohnmächtig gegen dich war, und habe dir manches zum Zwietracht getan. Weißt du, wo deine Söhne geblieben sind?"

"Meine Kinder!" rief Nidung, "o, sage mir bei allen Göttern, was du von meinen Knaben weißt!"

Wieland entgegnete: "Zuvor sollst du mir alle Eide schwören: bei des Schiffes Bord und des Schildes Rand, bei des Rosses Rücken und des Schwertes Schneide, daß du meine Braut oder mein Weib nicht tötest, wenn auch Weib und Kind dir wohl bekannt sind." Nidung leistete die Eide, und nun kündete Wieland: "Gehe zu meiner Schmiede, da findest du in der Grube die Überbleibsel deiner Söhne. Ich habe sie erschlagen und dir aus den Schädeln Becher gefertigt, all dein Tischgerät ist aus den Knochen deiner Kinder gemacht. Deine Tochter Badhild aber ist mein Weib, in der rußigen Schmiede habe ich mit ihr den Ehebund geschlossen, ohne deinen Wunsch und Willen. So hab' ich dir Gleiches mit Gleichem vergolten und unser Verkehr ist beendet!" Mit diesen Worten erhob er seine Flügel, da rief Nidung wütend: "Eigil, schieß auf Wieland!"

"Nicht kann ich das tun gegen meinen Bruder!" entgegnete dieser. "Schieß," rief Nidung, "sonst bist du des Todes! Nur dann kannst du Schonung erlangen, wenn du ihn niederschießest!"

Da legte Eigil einen Pfeil auf die Sehne und schoß Wieland unter den linken Arm, daß ein Blutstrom hervorquoll, und der König und seine Leute meinten, dies werde sein Tod sein.

Wieland aber flog heim nach Seeland und wohnte dort in dem Gehöfte, das sein Vater Wadi inne gehabt hatte.

Den König verzehrte der Gram und Groll. Er wurde krank und starb bald nach dieser Begebenheit. Das Reich aber nahm sein Sohn Otvin in Besitz, der sich durch seine Milde und Gerechtigkeit bei allen beliebt machte. Er war auch gut gegen seine Schwester und gab ihr einen eigenen Hof zur Behausung. Dort schenkte sie einem Knaben das Leben, der Widge genannt wurde. Wieland vernahm nach einiger Zeit dieses Ereignis daheim in Seeland und sandte an König Otvin Boten, die ihn um Frieden und Versöhnung bitten mußten. Der König wollte sich mit seinem Schwager aussöhnen und versprach ihm Sicherheit und ungefährdetes Geleit. Wieland fuhr nun nach Jütland und ward hier mit allen Ehren aufgenommen. König Otvin stellte eine große Hochzeit an, bei der ihm Badhild feierlich angetraut und ihm anheim gestellt wurde, ob er am Königshofe für immer verweilen wolle.

Wieland sagte, daß er dem König in allen Dingen zu Willen sein wolle, daß es ihm aber angenehmer dünke, in seiner Heimat und in seinem Vatererbe zu bleiben. König Otvin setzte ihm keinen Widerspruch entgegen und verhieß ihm trotzdem seine Freundschaft. Wieland fuhr nun heim nach Seeland, und seine Gattin und sein drei Jahre alter Sohn mit ihm. Der König gab ihm Geld und Gut in freigebiger Weise, und sie schieden als gute Freunde. Er lebte nun auf Seeland lange Jahre und war berühmt in der ganzen Welt wegen seiner Geschicklichkeit und Kunst, sein Sohn Midge aber wurde ein gewaltiger Held, der vielfach in Liedern gepriesen wurde. So schließt die Geschichte von Wieland, dem Schmied des Nordlandes.