Mannus - Urvater aller Deutschen

Mannus („Mensch") ist der älteste Held der Deutschen, Sohn des Tuisco, den seinerseits die Erde geboren hatte. Von ihm stammt das gesamte Volk der Deutschen ab (Grimm 1992, Deutsche Mythologie I, S. 286).

„Mennor der êrste was genant,
dem diutsche rede got tet bekannt” (ebd.)

Tacitus nennt den Mannus als einen Sohn des von der Erde geborenen Gottes Tuisto. Diese Darstellung werde von seinen Nachkommen, den Ureinwohnern Germaniens, in Liedern besungen. Demnach habe Mannus drei Söhne gehabt, die Stammväter der drei germanischen Hauptstämme wurden, den an der Meeresküste siedelnden Ingaevonen (von Ing), den weiter südlich siedelnden Hermionen (von Irmin) und den Istaevonen (von Istvo).
Oder seine Kinderzahl war höher und auch die Marser, Gambrivier, Sueben und Vandilier stammten direkt von Mannus her (Tacitus, Germania 2).

Die göttliche Herkunft des Mannus wird auch dahingehend gedeutet, daß Mannus ein besonders ruhmreicher Heerführer seines Volkes oder kein Eigenname sondern ein Titel gewesen sei, auch soll er gleich dem biblischen Urmenschen Adam sein (vgl. Hederich 1996, Sp. 1520)

Jakob Grimm erkannte in den von Tacitus mitgeteilten Stammesnamen Eigennamen germanischer Helden, so Ingo, Isco und Hermino. Besonders der Ing findet im nordischen Runenlied Widerhall (Grimm 1992, Deutsche Mythologie I, S. 286). Er wird auch mit der entsprechenden Rune Ing in Verbindung gebracht.

Grimm stellt eine Genealogie germanischer Gottheiten auf: Tuisco - Mannus - Ingvio - Nerthus - Fravio (ebd., S. 287)