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Nornen - Schicksalgöttinen

Die Nornen (Nornier, Nornir nord. „Raunende”) sind die germanischen Schicksalsgöttinnen und Geburtshelferinnen, die den Schicksalsfaden der Menschen und Götter spinnen. Man kann sie mit den römischen "Parzen" gleichsetzen. Sie sind drei Schwestern, die das Schicksal der Welt, der Götter und der Menschen bestimmen und voraussagen.

Es heißt manchmal, sie stammen von Wyrd ab.

Als die Götter dem Allvater gegenüber Treubruch begingen und mordeten, büßten sie ihre Heiligkeit ein. Die goldenen Runentäfelchen Fimbultyrs (Allvater) waren verloren.

Die Götter waren es nun nichtmehr wert, die Geschicke dieser Welt zu lenken. Der Allvater sandte die Nornen. Diese Geschöpfe waren göttergleich und stammten von den Riesen ab. Sie sitzen am Brunnen (Urdar brunnr) in der flutüberströmten Halle, welche unter der dritten Wurzel Yggdrasils liegt. Sie ritzen Runen und verweben den Faden des Schicksals von Menschen und Götter, der von Frigg gespinnt wird. Sie sind dem Allvater treu ergeben und von jeglicher Schuld frei!

Ihre Namen sind:

Urd: Norne der Vergangenheit. Ihr Name bedeutet soviel wie "Schicksal" bzw. "Gewordene". Sie ist eine alte Frau, die ständig über ihre Schulter in die längst vergangene Zeit zurückblickt. Mehr hier

Verdandi: Norne der Gegenwart. Ihr Name bedeutet soviel wie "Gegenwart" bzw. "Seiende". Sie hat die Gestalt einer jugendlichen Frau, deren Blick immer nach vorne gerichtet ist. Mehr hier

Skuld: Norne der Zukunft. Ihr Name bedeutet soviel wie "Zunkunft" bzw. "Werdende". Sie ist, im Gegensatz zu "Urd" und "Verdandi", als unberechenbare Macht, die keine Liebe zu den Menschen und Göttern hegte, angesehn und hat ein sehr hitziges Temperament. Sie trägt einen Schleier und in jeder Hand ein ungeöffnetes Buch oder eine zusammengerollte Schriftrolle. Ihr Blick ist stets in die entgegengesetzte Richtung von "Urds" Blick gerichtet. Mehr hier

Diese drei Göttinnen weben täglich das Netz des Schicksals.

Die Nornen verwalten das Schicksal örlög, erspähen, verhängen es und sprechen es aus. Auch die Lebenszeit des Menschen wird von den Nornen bestimmt. Als Wächterinnen des Fenriswolfes entscheiden sie letztlich auch über den Weltuntergang Ragnarök.

Die Edda erwähnt sie „vielwissende” (Voluspa 14) und als „drei geheimnisvolle Wesen”, die Hohe, die Genausohohe und die Dritte, die die Geheimnisse des Universums enthüllten und das Buch des Schicksals schrieben; daher stammt ihr anderer Titel „Die Schreiberinnen”.

Die Nornen gehören wie die Walküren zu den Disen.

Jakob GRIMM nimmt an, dass Urd bedeutender als die anderen beiden gewesen sei; immerhin heißt eine der drei Brunnen der heiligen Esche Yggdrasill Urdrbrunnr, neben diesem Brunnen liegt der Saal, aus dem die drei Nornen kommen.

„Von den drei Schicksalsgöttinnen enthält die Edda einen abgeschlossenen tiefsinnigen Mytus. Sie heißen gemeinschaftlich Nornir, einzeln aber Urdr, Verdandi, Skuld. Der Ausdruck Norn hat sich bisher in keinem andern Dialekt aufgefunden, gehört jedoch ohne Zweifel echtdeutscher Wurzel an, und ist wie Dorn, Korn, Horn u.s.w. gebildet, ahd. würde man Norn, pl. Norni gesagt haben; auch die schwed. und dän. Sprache kennen ihn nicht mehr. In den drei Eigennamen sind die Formen abstrakter Verba unmöglich zu verkennen: Urdr ist aus dem Pluralablaut von verda (vard, urdun) entnommen, Verdandi ist das fem. part. praes. des nämlichen Worts, Skuld das part. Praet. von Skula, d. h. dem Wort, mit welchem die mangelnden Flexionen des Futurums umschrieben werden. Es ist also sehr passend das Gewordene, Werdende und Werdensollende, oder Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bezeichnet und jede der drei Parzen in einer dieser Richtungen aufgestellt.” (Grimm, Bd. II, S. 335)

Den Nornen vergleichbar sind in der römischen Mythologie die Parzen, bei den Griechen die Moiren. Die slawischen Völker kennen die drei kleinen Schwestern Zorya.

Auf englisch heißen sie Weird-Sisters, vom germanischen wyrd, Schicksal. Vgl. Shakespeare, "Macbeth".

Die Nornen wurden später in vielen Märchen wieder belebt. Während ja Urd und Verdandi freundliche Göttinnen sind, ist Skuld die unerbittlich und voll kalter Entschlossenheit. In den Märchen verkörpern Urd und Verdandi dann die guten Feen und Skuld is die böse Hexe!

Das beste Beispiel ist das Märchen von Dornröschen! Hier sind zwar aus den Schicksalsschwestern, nämlich 12, aber auch hier sind alle nett und lieb, nur die Fee der Zukunft istz bösartig!

Man sieht also, dass die nordische Mythologie nicht vom Christentum verdrängt werden konnte! In vielen Märchen ist sie noch lebendig!